Vor dem Frühstück, wurden erst einmal die Koffer gepackt. Dann haben wir uns wieder auf die kleine Veranda der Orosi Lodge gesetzt und den Blick auf den Vulkan Irazu genossen, der auch wieder komplett unverhüllt war. Es waren sogar noch weniger Wolken als gestern zu sehen.
Nach dem wieder sehr leckeren Frühstück und kleiner Plauderei mit den deutschen Besitzern der Lodge haben wir uns auf die Veranda vor unserem Zimmer gesetzt und die Vögel beobachtet und weiterhin den Blick auf den Vulkan genossen.

Dann haben wir bezahlt und uns auf den Weg nach Paraiso gemacht, einen Vorort von Cartago, wo sich die Finca Cristina befindet, bei der wir eine Kaffeetour gebucht hatten. Auf dem Weg dorthin mussten wir wieder sehr viele Radfahrer überholen, die sich die Hügel hinauf gequält haben. An unserem Abzweiger zur Plantage mussten wir kurz halten, denn eigentlich war die Straße gesperrt. Aber wir konnten den Bauarbeitern klar machen, dass wir nur noch knapp 100 Meter zu fahren hatten, also haben sie uns durchgelassen und wir konnten rechtzeitig auf die im Wald versteckte Plantage fahren.
Die Besitzer der Plantage war ein englisches oder amerikanisches Ehepaar, die beide an die 70 Jahre alt waren. Im Lauf der 3 h Stunden Tour haben wir noch mehr über den Kaffee-Anbau-Prozess erfahren, als zuvor. Die beiden sind vor 46 Jahren gestartet und hatten damals so gut wie keine Ahnung, was zum Kaffeeanbau gehört und haben sich alles selbst beigebracht.

Mit viel handwerklichem Geschick wurden alte Maschinen gekauft und repariert und optimiert, die zum Aufbau der kleinen Bio-Plantage geführt haben. In den letzten 30 Jahren hat der Mann so ziemlich alles auf der Plantage selbst gebaut, auch wenn es manchmal etwas länger gedauert hat.

Seine Frau, die uns herumführte, war sehr ausführlich in ihren Erklärungen und sie ist manchmal etwas abgeschweift, aber auf eine nette Art, die viel von ihrer Leidenschaft für den Kaffeeanbau vermittelt hat.



Wir haben auf diese Art und Weise sehr genau erfahren, wie im Regenwald alles miteinander zusammenhängt. Selbst Schädlinge haben ihre Berechtigung und sind für etwas wichtig. Die Plantagenbesitzer verzichten komplett auf Düngung und die Nutzung von Insektiziden, sondern vertrauen komplett auf das biologische Gleichgewicht. Beide sind mit sehr viel Herzblut bei der Sache.






Anschließend sind wir zur Ruina de Ujarras gefahren, sie war nur 5 Minuten von der Plantage entfernt. Weil wir das Auto aber nicht einfach mit unserem ganzen Gepäck auf einem öffentlichen und unbewachten Parkplatz abstellen wollten, sind wir nacheinander in die Kirchenruine gegangen. Zuvor hatten wir gelesen, dass man hier keine Drohne steigen lassen darf. Doch ich habe am Eingang noch mal nachgefragt und habe doch tatsächlich die Erlaubnis bekommen.



Gegen 13 Uhr 15 sind wir dann losgefahren. Es waren nur 60 Kilometer von Ujarras nach San José, aber wir waren fast durchgehend im Stau. Costa Rica hat einfach zu viele Autos für zu enge und schlecht gepflegte Straßen. Autofahrer sind in Costa Rica generell am Ende der Nahrungskette. Ganz zuerst kommen die Mofafahrer, die sich jederzeit und überall den Platz nehmen, den sie brauchen. Da wird auch schon mal auf der Gegenfahrbahn gefahren, trotz entgegenkommender Autos, oder man schlängelt sich noch mal schnell zwischen zwei Autos durch. Sehr beliebt ist auch, dass man parallel links und rechts von Mofas fast gleichzeitig überholt wird. Fast jedes Mofa ist mit zwei Personen besetzt, wir haben aber auch schon eine vierköpfige Familie auf einem Mofa sitzen sehen, inklusive Baby. Geschwindigkeitsregeln gelten auch generell nicht für motorisierte Zweiräder. Während wir uns an die 60-40 Zonen gehalten haben, warteten die Mofas an unserer Stoßstange nur auf die Gelegenheit zum links oder rechts überholen.
Nach den Mofas kommen dann die Fußgänger, die auch gerne mal zu zweit nebeneinander auf der Straße gehen, so dass man als Autofahrer warten oder ausweichen muss.
Als letztes kommen dann die Autofahrer und hier muss man deutlich sagen: es gelten keine Verkehrsregeln, sondern das Recht des größeren Autos. Nun gut, damit konnten wir schon punkten, aber man muss natürlich auch wissen, wann und wie man dieses Recht einfordert. Da Verkehrsregeln von den Ticos generell flexibel gehandhabt werden, ist es oft auch schwierig zu erahnen, wie die anderen Autos auf einen selber reagieren. Man ahnt ja oft auch gar nicht, in welche Richtung sich ein Mofa oder Auto bewegt, denn geblinkt wird fast nur von den Touristen.

Nach 3 h sind wir dann endlich bei der Autovermietung angekommen. Die Rückgabe ging sehr schnell, keine 15 Minuten später saßen wir im Bus, der uns zum Hotel brachte. Wir sind in den 3 1/2 Wochen knapp 1900 Kilometer gefahren. Im Hotel haben wir dann eingecheckt und sind etwas Essen gegangen. Danach ging es zurück zum Hotel, wo wir am Pool noch etwas gechillt haben.
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