4.11.2013: Von Lima nach Chiclayo

Der Tag begann mit einer unangenehmen Nachricht. Sibylle und ich waren gerade dabei, uns fürs Frühstück fertig zu machen und die Koffer für den bevorstehenden Flug nach Chiclayo zu packen, da klopfte es an die Tür! Ich ging zur Tür und war schon sehr überrascht, dort Dieter stehen zu sehen, der uns fragte, ob es uns gut ginge. Das konnten wir nur bejahen.

Dann erzählte Dieter uns, dass es Anke seit heute Nacht um 3 nicht mehr gut ging und sie sich offensichtlich gestern Abend im Restaurant den Magen verdorben hatte. Da Sibylle und ich aber keine Probleme hatten, konnte es nicht am Pisco Sour liegen sondern wohl doch eher am Essen. Was für ein Schock am Morgen! Der ganze Tagesablauf war in Gefahr, zumindest für Anke und Dieter.

Heute sollten wir nach Chiclayo fliegen, aber wenn Anke krank war, dann würde das problematisch werden. Und außerdem wollten wir vorher noch das Museum Larco Herreira besuchen. Doch da sagte Dieter schon gleich, das Anke das nicht mitmachen würde. Beim Frühstück schaute Dieter noch kurz vorbei, denn er mußte wieder zu seinem Vater und ein paar Dinge klären. Keine leichte Aufgabe für ihn, sich hier in Lima um alles zu kümmern. Auch wir verließen uns größtenteils auf ihn. Wir waren ihm für seine Hilfe und seine Tipps sehr dankbar. Bevor er los ging, besprachen wir noch den weiteren Verlauf des Tages.

Unser Plan war, mit dem Taxi zum Museum Larco zu fahren und dann dort zu Mittag zu essen. Dieter würde zu gegebener Zeit mit Anke und dem Gepäck zum Museum kommen. Falls es Anke zu schlecht ging, würde nur der Wagen mit dem Gepäck kommen und Marion, Sibylle und mich zum Flughafen bringen, damit wir nach Chiclayo fliegen. Aber wir wollten mal nicht den schlimmsten Fall annehmen.

Nach dem Frühstück sahen Sibylle und Marion kurz bei Anke vorbei und versicherten sich, dass wir sie alleine lassen konnten. Dann packten wir unser Handgepäck und machten uns auf dem Weg nach unten. Sibylle versuchte beim Concierge in spanischer Sprache das ausschecken und das aufbewahren der Koffer zu besprechen. Doch der Concierge wollte ihr auf Englisch antworten. Etwas forsch und nicht ganz ernst gemeinst beschwerte sie sich dann bei mir, dass der Concierge doch gefälligst Spanisch mit ihr sprechen solle. Daraufhin entgegnete der Concierge in halbwegs klarem Deutsch: ich möchte doch nur meine Englischkenntnisse tranieren. Wir waren erstaunt, dass er Deutsch sprechen konnte! Dennoch bat Sibylle darum, die weitere Konversation auf Spanisch zu führen, was der Concierge auch tat.

Nachdem wir ausgecheckt hatten, versuchten wir ein Taxi zu bekommen, das uns ins Museum fahren konnte. Doch das war nicht so einfach. Das erste Taxi meinte wohl, dass wir hier falsch stehen würden. Das zweite Taxi wollte zuviel Geld haben. Erst als wir uns dann wieder an die Straße stellten und auf ein anderes Taxi warteten, ging er etwas mit dem Preis herunter und bot uns an, uns für 25 Soles ( 7 EUR ) zum Museum zu fahren. Wir setzten uns ins schwarze Taxi – der Fahrer trug übrigens auch einen schwarzen Anzug und sah schon etwas vornehm aus – und schon ging es los.

Heute am Montag war natürlich sehr viel mehr Verkehr als noch die letzten Tage, wo wir einen Feiertag und dann das Wochenende hatten. Die Straßen waren entsprechend voller und wir kamen nicht ganz so flüssig voran, wie wir gehofft hatten. Als die Fahrt zur Küste ging und wir auf der Küstenstraße entlang fahren wollten, landeten wir mit einem Mal in einem Stau. Kurzerhand nahm der Fahrer die nächste Ausfahrt, fuhr zurück nach Miraflores und setzte seinen Weg dann durch die Stadt fort.

Es ging durch viele Bezirke, die nicht so vornehm aussahen, teilweise heruntergekommene Häuser und dreckige Straßen, aber wir kamen auch durch einen nobleren Stadtteil, in dem jedes Haus einen hohen Zaun hatte und Sicherheitsleute vor einigen Häusern oder auf den Gehwegen standen und aufpassten. Dann ging es wieder durch ärmlichere Bezirke. Während der Fahrt hatte Sibylle Spaß daran, ein wenig Smalltalk auf Spanisch zu betreiben. Plötzlich hielt der Wagen und auf der linken Seite befand sich der Eingang zum Museum.

Sibylle erledigte die Bezahlung und wir stiegen aus und gingen zum Museum, wo man uns bereits das Tor öffnete, als wären wir erwartet worden. Auch hier stand neben dem älteren Angestellten des Museums eine Polizist am Tor und symbolisierte Sicherheit. Schnell waren die Eintrittskarten gekauft und wir gingen in das weiße Gebäude hinein. Das Museum ist auf den Überresten einer Pyramide aus dem 7. Jahrhundert errichtet worden, es ist in der typischen Architektur der Stadt Trujillo aus der Zeit des 18. Jahrhunderts erbaut. Ob wir davon etwas erkennen, können wir ja bald selber überprüfen, wenn es auch für uns nach Trujillo geht.

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Das Museum beherbergt eine Sammlung präkolumbischer Kunst, die mit ihren rund 45.000 Exponaten 4000 Jahre peruanische Geschichte abdeckt. Besonders interessant ist, dass das Museum Skulpturen, Textilien, Keramiken und Schmuck unterschiedlicher präkolumbischer Zivilisation Perus besitzt und ausstellt.

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Anke, Dieter, Sibylle und ich waren ja bereits vor 3 Jahren hier. Für Marion war es der erste Besuch. Wir sind gespannt, ob es ihr genauso gut gefällt, wie es uns damals gefallen hat. Beim Gang durch die Ausstellung haben wir das Glück, so ziemlich allein unterwegs zu sein. Kein Vergleich mit dem Goldmuseum, wo wir ja doch ziemlich genervt waren von den französisch sprechenden Gruppen.

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In aller Ruhe schauen wir uns die verschiedenen Keramiken an. Es ist schwer vorzustellen, dass diese Stücke, die so absolut neu und teilweise unversehrt aussehen, mehrere tausend Jahre alt sind! Auch die goldenen und silbernen Nasengehänge und Brustpanzerungen wirken, als wären sie gerade eben noch getragen worden.

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Eine sehr faszinierende Ausstellung, die wir nach gut 90 Minuten beendet hatten. Dann ging es nach draußen zum Restaurant, wo wir uns eine Kleinigkeit zum Essen bestellten und uns nett unterhielten. Leider hatten wir bis dahin noch keine Information von Dieter, ob Anke und er nun auch fliegen würden oder nicht. Erst als wir bezahlt hatten und draußen standen und auf das bereits organisierte Taxi warteten, kam die SMS von Dieter: Anke würde mitfliegen!

Prima, also ging es ihr wenigstens wieder so gut, dass sie fliegen konnte! Das war schön zu hören. Wir waren froh, als dann 20 Minuten später das Taxi da war und wir die beiden im Taxi sitzen sahen. Schnell waren unsere Handgepäckstücke verstaut und es ging weiter zum Flughafen. Wahrscheinlich weil die Hauptzufahrtsstraßen zu verstopft waren, nahm unser Taxifahrer einen anderen Weg und fuhr zum Nebeneingang des Flughafenparkplatzes, wo extra für uns ein Tor geöffnet wurde und wir direkt am richtigen Terminal einen Parkplatz zum ausladen fanden. Es ging hinein und wir gaben unsere Koffer auf, dann ging es weiter zur Security. Nachdem wir diese hinter uns gelassen hatten ging es weiter zum Gate. Dieter und ich gingen noch mal einen Kaffee trinken, während Sibylle und Marion Anke Gesellschaft leisteten.

Sehr pünktlich begann das Boarding um 15:20. Leider saßen wir etwas verstreut. Einzig Anke und Dieter hatten Plätze nebeneinander. Marion, Sibylle und ich saßen getrennt sowohl voneinander als auch von Anke und Dieter entfernt. Aber da wir nur 1 Stunde Flugzeit hatten, war es nicht so schlimm. Die Zeit des Fluges ging auch schnell vorüber. Ich war damit beschäftigt, die letzten Tage im Blog zu erfassen. Nach der Landung gab es dann etwas Chaos in der Gepäckhalle. Die Menschen ließen ihre Gepäckwagen einfach im Gang stehen und kümmerten sich nicht darum, das sie anderen im Weg standen. Wir mußten mit unseren Koffern um sie herumgehen, um zum Ausgang zu gelangen.

Draußen entdeckte Dieter dann sogleich unseren Fahrer, der uns zum Hotel bringen sollte. Das Gepäck wurde eingeladen und wir fuhren los. Unterwegs erfuhren wir, dass sich der Name des Hotels im letzten Monat geändert hatte. Doch das war uns egal, solange das Hotel sauber war. Wir richteten uns kurz auf den Zimmern ein, ehe wir nochmal nach draußen gingen, um die Gegend zu erkunden und etwas zu essen. Thorsten Hölscher hatte bei seiner Beschreibung von Chiclayo geschrieben, dass diese Stadt sehr quirlig ist. Laut trifft es aber besser!

Ich würde Chiclayo am ehesten mit indischen Städten vergleichen, ständig wird gehupt, der Lärmpegel ist konstant hoch und man hat draußen auf der Straße keine ruhige Ecke. Selbst in Lima scheint es mir ruhiger zu sein, Nachdem wir eine kleine Runde bis zum Plaza Mayor gemacht hatten, ging es zurück zum Hotel. Abendessen war angesagt, doch das Hotelrestaurant machte keinen besonders guten Eindruck.

Also entschieden wir uns, noch mal wieder vor die Tür zu gehen. Doch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich sehr schwierig. Chiclayo ist eben keine Touristenstadt, wo an jeder Ecke ein gutes Restaurant zu finden ist. Doch nach einiger Zeit fanden wir ein Hostal und aßen dort eine Kleinigkeit zu Abend. Dazu gab es leckeres Cusquena Bier. Dann waren wir doch alle müde und gingen zurück zum Hotel, wo wir relativ schnell ins Bett gingen und einschliefen.

2 Kommentare

  • Martina und Michi sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    da hattet Ihr ja schon wieder ziemliche Aufregung. Wir hoffen, dass sich Anke erholt hat und es keinen anderen von Euch getroffen hat. Bei uns ist jetzt auch jemand krank. Mal sehen, wie das morgen wird. Sind jetzt im Heiligen Tal und morgen geht es per Zug nach Aguas Calientes und dann weiter zum 1. Machu Picchu Besuch. Wir sind gespannt. Es hat naemlich zwei Tage nachmittags geregnet. Die Prognosen sind aber gut. Viel Spass weiterhin Euch allen.
    Liebe Gruesse,
    Martina und Michi

  • Helga und Karl sagt:

    Unter dem Bericht vom 6.11.13 fand ich keinen Platz
    für einen Kommentar. Mir ist zwar bekannt, daß es vor den
    Inkas verschiedene Kulturen gab. Aber daß es soviele waren, wußte ich nicht,
    und die meisten Namen habe ich auchnoch nicht gehört.
    Auch das Supermuseum in Ferrenafe überracht mic.
    Gute Weiterreise.
    Helga un karl

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