Tag 22, 07.09.2019:Lake Louise

Warum steht man im Urlaub freiwillig um 5 Uhr 30 auf? Entweder ist man krank, oder man hat etwas sehr wichtiges vor. Bei uns war letzteres der Fall. Wir wollten zum Lake Louise fahren, um dort den Anblick des berühmtesten Gletschersees Kanadas ohne all die störenden Touristen zu genießen und wir hatten die Hoffnung, das wir um diese frühe Uhrzeit auch noch direkt am See würden parken können. Also haben wir uns um 5 Uhr 30 aus dem Alkoven über der Fahrerkabine gequält und angezogen. Der Rucksack wurde gepackt und dann ging es los. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und so fuhren wir langsam vom Campingplatz und durch Banff, Richtung Trans Canada Highway. Wir mussten ganz besonders vorsichtig sein, denn es konnte immer sein, dass ein Moose oder ein Bär durch Banff spazierte. Aber nichts dergleichen geschah, wir kamen ohne Probleme zum Highway 1 und sind
dann bei wenig Verkehr Richtung Lake Louise gefahren. Die 54 km haben wir recht zügig geschafft, doch als wir vom Highway abfuhren sahen wir schon kurz hinter der Abfahrt den Hinweis, dass der Parkplatz am Lake Louise bereits voll war. Und dabei war es noch nicht einmal 7 Uhr! Wir sind dann also wieder zurück auf den Highway und zum Park und Ride gefahren. Dort mussten wir dann erst einmal Tickets für den Shuttle kaufen und die Schlange war schon ziemlich lang. Da das erste Shuttle erst um 8 Uhr zum Lake Louise aufbrach, mussten wir noch etwas warten. Die Temperaturen waren weit unter 10 Grad! Langsam wurde es in dieser Region Kanadas kühler. Die heißen Sommertage waren wohl bald vorbei.
Schließlich kam der Shuttle-Bus und wir konnten einsteigen. Innerhalb von knapp 10 Minuten waren wir am Lake Louise Parkplatz angekommen und haben uns direkt in die Schlange für die Tickets zum Morraine Lake eingereiht. Dabei sind wir mit einem
amerikanischen Pärchen aus Texas ins Gespräch gekommen, die gleich sehr offen waren und sich erkundigten, was wir so machen und woher wir kamen. Wir haben die beiden später noch mal wieder getroffen.
Wir mussten etwa 30 Minuten warten, dann waren wir endlich an der Reihe um die Tickets für den Shuttle zum Morraine Lake zu kaufen. Dann endlich ging es zum Lake Louise!


Die Warterei hatte sich gelohnt! Es war unglaublich, das Licht war perfekt, es herrschte Windstille und somit hatte man eine wunderschöne Spiegelung der umliegenden Berge und Gletscher im Wasser des Lake Louise. Natürlich waren schon einige Touristen
hier, doch das störte uns nicht.


Dann sind wir zu unserer geplanten Wanderung Plain of Six Glaciers aufgebrochen.

Zunächst ging es bei dieser Wanderung ebenerdig um einen Teil des Lake Louise herum, dann tauchten wir ein in die bewaldete Uferregion und es ging etwas steiler hinauf.

Langsam wurden es weniger Menschen, die uns auf diesem Teil des Wanderweges begleiteten, doch immer noch mehr als wir gedacht hatten. Es ging stetig bergauf, zu Anfang durch ein kleines Wäldchen, dann an den nackten Felswänden entlang und über einen schmalen Holzsteg direkt über dem herabfließenden Gletscherwasser, das den Lake Louise speist.

Je weiter wir gingen, desto steiniger wurde der Weg. Uns kamen immer wieder Menschen entgegen, die schon sehr früh zu dieser Wanderung aufgebrochen sein mussten.
Wir spazierten geradewegs auf ein beeindruckendes Gletschergebiet zu. Immer mal wieder drehten wir uns um und schauten zurück, das Fairmont Hotel Lake Louise wurde immer kleiner und die Farbe des Sees aus der Distanz immer türkiser.
Schließlich hatten wir die letzten 300 Meter vor uns und mussten über einen schmalen Kamm spazieren, bis wir am Endpunkt des Trails angelangt waren. Auf einer schrägen Geröllfläche sitzend hatten wir einen herrlichen Blick auf 6 umliegende Gletscher, das alles bei wundervollem sonnigen Wetter.

Während wir so auf einem Stein saßen und uns von dem doch ein klein wenig anstrengenden Weg erholten, hörten wir ein schnelles Donnergrollen. Es dauerte einen Moment bis wir realisierten, dass dieses Geräusch von einer Lawine verursacht wurde. Wir konnten keine Lawine ausmachen, vielleicht war der Abgang auch auf der anderen Seite des Berges. Aber es hatte sich sehr gewaltig angehört. Dann mussten wir wieder zurück und sind etwas zügiger hinunter gegangen.

Auf dem Weg haben wir noch zwei Murmeltiere ausmachen können.

Als wir in die Nähe eines kleinen Wasserfalls kamen spürten wir, dass durch das herabfließende Gletscherwasser die Luft gleich ein paar Grad kühler wurde. Das Wasser aus dem Gletscher selber war eiskalt und milchig.


Wir sind weitergegangen und waren pünktlich beim Shuttle. Nach kurzer Wartezeit ging es zum Morraine Lake. Als wir den Bus verließen waren wir erst etwas enttäuscht, denn von seiner Größe und Farbe machte der See nicht viel her. Doch als wir dann ein wenig umher schlenderten und auf einen aus Felsen bestehenden Aussichtspunkt kraxelten, sahen wir den See mit einem Mal mit ganz anderen Augen!

Das Wasser war fast noch türkiser als beim Lake Louise, der See war kleiner und es waren nicht ganz so viele Touristen wie beim Lake Louise. Es hat uns faszinierend.
Leider war das Wetter nicht mehr so schön wie noch am Vormittag. Es zog sich langsam zu und mit einem Mal begann es zu regnen.


Trotzdem schien teilweise noch die Sonne. Wir hofften leider vergebens auf einen Regenbogen. Das wäre nochmal ein Highlight gewesen. Schnell wurde alles im Rucksack verpackt, dann ging es zum Shuttle. Hier trafen wir wieder die beiden Amerikaner aus Texas
und unterhielten uns nett, bis endlich der Shuttle ankam und wir einsteigen konnten.
Zurück am Wohnmobil kochten wir Kaffee, um uns aufzuwärmen. Durch den Regen waren wir etwas angefroren. Dann machten wir uns auf den Weg nach Banff zurück, wo wir auf dem Campground dann noch etwas Holz hackten und dann auch schon bald mit dem grillen fürs Abendessen begannen.

1 Kommentar

  • Helga Asteroth sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    was für eine phantastische Landschaft, die Bilder sind unglaublich.
    Für den Anblick hat die etwas umständliche und zeitraubende Anfahrt
    gelohnt. Wie schön, daß Ihr auf dieser eindrucksvollen Tour so gutes
    Wetter hattet.
    Liebe Grüße
    Helga

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