Tag 22: 18.11.2018, Okonjima

Unser letzter Tag in Okonjima beginnt sehr früh. Das Frühstück um halb sechs besteht aus einem Kaffee oder Tee und einem Muffin. Dann geht es auch schon zu unserem Jeep. Kashika ist wieder unser Guide und Fahrer an diesem Morgen, an dem wir uns auf die Suche nach einem Leoparden begeben wollen. In diesem knapp 20.000 ha großen Areal der Africat Foundation leben nur eine handvoll Leoparden. Wir hoffen, dass wir einen von ihnen zu Gesicht bekommen.
Bevor es losgeht, warnt Kashika uns noch einmal eindringlich, keine Körperteile oder sonstige Dinge aus dem Auto hängen zu lassen, da dies von den Leoparden als potentielle Bedrohung oder auch Beute angesehen wird. So gewarnt geht es dann auch schon los. Langsam schiebt sich die Sonne über den Horizont hinauf.

Der Fahrtwind ist angenehm kühl, schon bald werden wir wieder über die Hitze stöhnen, die sich im Moment bei 36 Grad eingependelt hat. Eine trockene Hitze, die unsere Schleimhäute austrocknet. Aber damit haben wir schon den ganzen Urlaub zu kämpfen und es bisher ganz gut überstanden.
Kashika ist heute allein im Auto, da sowieso niemand aus dem Auto darf, kann er das Tracken des Leoparden auch allein übernehmen, wie er uns erklärt. Immer wieder hält er an und richtet die Antenne aus und lauscht den Geräuschen seines Empfängers. Wir hören nichts, aber wiederholt signalisiert uns Kashika, das er ein Signal aufgenommen hat und er lenkt den Wagen bestimmt in eine Richtung. Unterwegs halten wir immer mal wieder für Tiersichtungen an. Kudus, Springböcke und Oryx sind auch um diese Uhrzeit schon auf den Beinen.
Mit einem Mal wird Kashika etwas aufgeregt. Das Signal des Leoparden ist sehr deutlich, er soll keine 100 Meter von uns entfernt sein. Vorsichtig schauen wir uns um, doch wir können nichts entdecken. Ist da vielleicht ein Rascheln zu hören, schleicht sich die Raubkatze von hinten an und will uns überraschen?
“Da!” ruft Kashika und zeigt auf einen Baum voraus. Er startet den Motor erneut und lenkt den Jeep langsam durch die Büsche zu einem Baum, keine 50 Meter voraus. Wir brauchen eine Weile, bis wir sehen was er meint! Hinter einem grünen Blätterwald auf einem Ast sehen wir das Gesicht eines jungen Leoparden.

Er schaut uns geradeheraus an, reagiert aber ansonsten nicht auf uns. Nach wenigen Augenblicken hat er uns schon vergessen und wendet sich wieder seiner Beute zu, die hinter dem Blattwerk zu liegen scheint. Es knirscht und knackt und man hört, wie die Zähne des Leoparden das Fleisch vom Knochen der Beute abziehen, weil wir alle den Atem anhalten. Keiner will ein Geräusch machen. Aber natürlich siegt der Wunsch, das perfekte Foto machen zu wollen. Einer unserer Mitreisenden an diesem Morgen hat nicht den perfekten Blick und beugte sich von seinem Platz in der letzten Reihe aus dem Auto. Als Kashika das mitbekommt, wird er richtig sauer und ermahnt uns alle noch einmal sehr bestimmt, im Auto zu bleiben! Das wir in Lebensgefahr sein könnten, scheint der Gast nicht wirklich zu begreifen. Aber Kashika versteht natürlich auch, das wir hier nur versuchen, ein schönes Foto zu machen. Er rangiert den Jeep ein wenig, so dass wir alle einigermaßen gut sehen können. Dann entdecken wir auch die Mutter des jungen Leoparden, die in einer Astgabel links von ihrem Jungen liegt und schläft.
Kashika mahnt uns zur Geduld. Die Mutter wird schon herunterkommen und sich uns zeigen. Und wirklich, nach ein paar endlos scheinenden Minuten springt die Raubkatze elegant vom Baum und legt sich unter einen Busch.

Die Fotoapparate klicken und die Videokamera surrt im Sekundentakt. Die Leopardin interessiert das alles nicht, sie blickt ein paarmal nach oben in den Baum zu ihrem Sohn, als warte sie darauf, auch etwas von der Beute abzubekommen, die sie gerissen hat.

Nach etwa einer halben Stunde lösen wir uns von diesem Anblick und fahren weiter. Kashika erzählt, dass er von einem Kollegen erfahren hat, wo sich der Vater des Leopardenjungen befindet, den wir gerade im Baum gesehen haben. Es dauert nicht lange, dann sehen wir ihn in einem ausgetrockneten Flussbett in der Sonne liegen. Er hat den Kopf aufgerichtet und fixiert etwas am anderen Ufer. Wir folgen seinem Blick und sehen, das unter einem Busch seine Beute liegt. Er bewacht seine Beute und wir müssen aufpassen, das wir mit dem Jeep nicht zwischen ihn und die Beute kommen, das könnte er als Bedrohnung empfinden.



Wunderschön und sehr kräftig ist dieser Leopard, aber auch sehr müde, wie alle Katzen. Immer wieder fällt er zurück in den Sand und scheint zu schlafen. Auch hier haben wir wirklich ausreichend Zeit um den Leoparden zu beobachten. Beide Tierbeobachtungen hatten wir exklusiv für uns, nicht wie üblich mit diversen Jeeps. Absolut einmalig der heutige Morgen!

Dann geht es zurück zur Lodge. Beim Frühstück schwelgen wir noch in Erinnerung an diese faszinierende Begegnung mit den Raubkatzen und verbringen die Zeit bis zur Aktivität am Nachmittag mit ein wenig Arbeit. Am Wasserloch ist im Moment nicht viel los, darum gehen wir zu Garten der Anlage, in dem auch unsere Zimmer liegen. Im Garten gibt es eine großes Haus mit Tischen und Stühlen und keinen Gästen. Hierhin ziehen wir uns zurück und verbringen die Zeit damit, unsere Fotos zu sichern und Karten zu schreiben.
Am Nachmittag gehen wir dann wieder zum Wasserloch und beobachten bei Savannah Dry und Bier einige Warzenschweine, die sich abwechselnd im Schlamm suhlen und die Sonne genießen. Außer den Warzenschwienen ist nichts los.


Gegen 16 Uhr geht es dann wieder weiter. Kashika holt uns ab und bringt uns zur Africat Foundation, wo er uns aufklärt über die Geschichte und die Arbeit der Africat Foundation, die sich in erster Linie um den sogenannten Mensch-Tier Konflikt im Zusammenhang mit Großkatzen kümmert. Die Raubkatzen bedrohen die Viehherden der Farmer und in der Vergangenheit wurde die Katzen einfach erschossen. Doch in den letzten 20 Jahren ist es der Africat Foundation gelungen, viele Farmer davon zu überzeugen, das man die Raubkatzen nicht erschießen sollte, sondern die Bedrohung melden, damit diese dann woanders hingebracht werden können. Africat kümmert sich aber auch um die Babys erschossener Katzen und zieht diese auf, um sie dann später wieder auszuwildern.
Nach dem wir die Räume von Africat besucht haben, geht es mit dem Jeep ins Gehege, wo wir 5 Geparden zu Gesicht bekommen, die in einem relativ großen Areal leben. Wir dürfen zwar nicht aussteigen, aber diese wunderschönen Tiere anzuschauen, ist ebenfalls ein tolles Gefühl!



Da sich die Sonne langsam wieder Richtung Horizont bewegt, geht es wieder auf Tierbeobachtungsfahrt. Auf dem Weg zu unserem Aussichtspunkt entdecken wir wieder einige Tiere, wie Springböcke und Kudus und Warzenschweine.


Den Sonnenuntergang bestaunen wir dann ein letztes Mal von einem wirklich tollen Platz auf einem Berg. Wahnsinn, diese Stimmung. Leider ist dies unser letzter Sonnenuntergang in Namibia, morgen geht es wieder nach Deutschland.
Wir genießen ein letztes Mal den Gin Tonic und fahren dann zurück zur Lodge, wo wir wieder ein sehr leckeres Abendessen genießen und den letzten Abend angemessen ausklingen lassen.

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