Do, 09.11.2017: Hadzabe und Datoga

Als unser Wecker um 5 Uhr klingelte, war der Generator des Camps noch nicht einmal angesprungen und Strom stand nicht zur Verfügung. Wir mussten mit der Taschenlampe ins Bad und uns Waschen und Zähne putzen, denn um 5 Uhr 30 ging es schon auf den Weg zu den Hadzabe. Es war stockduster als wir in den Jeep stiegen und losfuhren. An einer Weggabelung nahmen wir unseren lokalen Guide Josep an Bord. Er würde uns zu den Hadzabe begleiten.

Wir fuhren durch die Dunkelheit, am Horizont wurde es allmälich heller, doch eine Strecke war dennoch kaum auszumachen. Es erschien mir, als fahren wir auf dem Sand ins Nirgendwo. Der Jeep neigte sich immer wieder bedrohlich zur Seite, wenn wir in einer ausgefahrenen Spurrille fuhren.

Gegen 6 Uhr kamen wir dann bei den Hadzabe an. Männer und Frauen saßen getrennt voneinander. Die Männer, allesamt Jäger, saßen um ein Feuer am Fuß eines Baobab-Baumes, dessen Stamm soweit ausgehöhlt war, dass er ein paar Hadzabe Unterschupf gewährte.

Die Frauen saßen ein paar Meter entfernt unter ein paar Büschen.

Wir begrüßten einander auf Hadzabe Art und nachdem uns das Jagdwerkzeug von einem jungen Jäger erklärt wurde, ging es dann auch schon los.

Mittlerweile war die Sonne aufgegangen. Wir folgten den 5-6 Hadzabe in das Dickicht aus Akaziensträuchern und hatten Mühe, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Obwohl sie nur auf dünnen Sohlen unterwegs waren, schienen sie sich mühelos über den rutschigen Sand zu bewegen.

Unmerklich verstreuten sich die Hadzabe und wir mussten uns entscheiden, wer wem folgen wollte. Doch nach ein paar Minuten kamen wir wieder zusammen. Wir beobachteten, wie die Hadzabe immer wieder mit Pfeil und Bogen in die Bäume schossen, doch es dauerte eine ganze Zeit, bis die erste Beute gemacht wurde. Die erste Beute war ein kleiner Vogel, den uns ein Hadzabe Krieger, der sich etwas von der Gruppe entfernt hatte, präsentierte.

Dann ging es weiter. Das Tempo wurde etwas angezogen und mit einem Mal waren alle Jäger fort, nicht einmal die Hunde waren zu sehen, die immer im Gefolge der Jäger waren. Wir hatten nicht aufgepasst. Doch schon kurz darauf hörten wir Geschrei und liefen dorthin, wo die Stimmen herkamen.

Die Jäger standen um einen Baum herum und versuchten einen Affen zu töten, der ziemlich weit oben im Geäst verborgen war. Er war anscheinend schon getroffen, aber hielt sich eisern dort oben fest. Ein junger Jäger, der kleinste und leichteste der erwachsenen Jäger, musste hinaufklettern.

Mit einem gezielten Schuss seines Bogens konnte er den Affen dann erlegen und ihn herunterholen.

Und wieder ging es weiter. Mittlerweile war es heiß geworden und wir hatten das Gefühl, immer weiter in die Wüste hinauszugehen. Längst hatten wir die Orientierung verloren. Aber wir hingen an den Hadzabe fest. Der nächste Fang war wieder ein Affe, der hoch oben im Baum saß. Diesen herunterzuholen dauerte etwas länger. Etwa eine halbe Stunde benötigten die Hadzabe, um den Affen vom Baum zu holen. Ein erfahrener Jäger musste auf den dünnen Ast eines Nachbarbaums klettern, um sich dem Affen von einer anderen Seite zu nähern. Etliche Steinwürfe und Bogenschüsse hatten nicht genützt, um den Affen herunterzuholen. Während sich der eine Hadzabe von links näherte, war unbemerkt ein anderer Hadzabe auf den ersten Baum geklettert und hatte sich in gute Schussposition gebracht. Aus nächster Nähe erlegte er den Affen.


Am Ende der Jagd mit den Hadzabe hatten wir 11 Kilometer unter sengender Sonne zurückgelegt und waren knapp 3 1/2 Stunden unterwegs gewesen. Die Beute waren insgesamt 3 Affen und 2 Vögel. Das war nicht viel für diesen Stamm inklusive der Meute an Hunden, die für das Treiben zuständig sind.


Bevor es weiterging durften wir noch mit Pfeil und Bogen schießen und mit den Hadzabe tanzen.

Dann fuhren wir ein Stück weiter, um nicht in unmittelbarer Nähe der hart jagenden Hadzabe unser vorbereitetes Frühstückspaket zu uns zu nehmen. Wir suchten uns dazu einen im Schatten liegenden Baobab-Baum.


Während wir in aller Ruhe unser Frühstück zu uns nahmen reflektierten wir noch einmal, was da eigentlich abgelaufen war. Einerseits gehen wir auf Safari und schießen schöne Fotos der wilden Tiere, andererseits aber gehen wir zusammen mit einem der noch immer existierenden Naturvölker Afrikas auf die Jagd und werden Zeuge, wie diese die hübschen Affen jagen und töten, weil sie sonst nichts anderes zum Essen haben und einfach überleben müssen. Wir hatten eine halbstündige Showjagd erwartet, wie wir es vor 2 Jahren in Botswana mit den San erlebt hatten. Doch dies hier war die harte Realität gewesen und wir wußten, dass die Hadzabe auch morgen wieder auf die Jagd gehen mussten, um zu überleben, während wir einfach in den Frühstücksraum unserer Lodge ans Buffet gehen.

Beeindruckt von den Erfahrungen ging es dann weiter zu den Datoga, dem Volk unserer lokalen Guide Josep.

Wir besuchten sein Heimatdorf und lernten die vielen Frauen seines Vaters und ihre Kinder kennen.

Wir sahen, wie sie leben und erfuhren von Josep etwas über die Geschichte der Datoga, die in erster Linie Bauern und Viehzüchter sind und früher im Krieg mit den Massai waren, da diese ihnen ihr Vieh stahlen. Mittlerweile ist das nicht mehr der Fall und alle Stämme leben friedlich miteinander.

Nach den Datoga fuhren wir zu einem Volk, das als Schmiedehandwerker bekannt ist. Sie werden Blacksmith genannt, einen afrikanischen Namen hat uns Chrissy nicht genannt.

Von den Blacksmith beziehen die Hadzabe ihre Pfeilspitzen. Wir konnten der Herstellung einer Pfeilspitze aus nächster Nähe beiwohnen.

Dann fuhren wir zu einer Schule und erfuhren viel über das Schulwesen in Tansania und die Probleme gerade der armen Bevölkerung, die nicht nur lange Wege auf sich nehmen müssen, um zur Schule zu kommen, sondern für die oft nicht einmal Essen zur Verfügung steht.

Mit mehr als 140 Schülern pro Klasse in der Grundschule liegen die Probleme auf der Hand. Aber immerhin gibt es Schulen und viele Kinder nehmen das Angebot an.

Wir fuhren weiter zu einer Zwiebelplantage und danach dann direkt zur Lodge. Es ging unter die Dusche und dann zum Abendessen. Bei einem leckeren Kilimandscharo Bier ließen wir den Abend gemeinsam ausklingen.

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