10.11.2015: Besuch bei den San

Laut unserer Reisebeschreibung sollte der Besuch der San in der Kalahari am gestrigen Tag stattfinden. Doch das hatte Jochen ja auf den heutigen Tag verschoben. Ausser dem Besuch stand auch nichts weiter auf dem Plan, außer der Strecke machen bis nach Tsumeb, an den Rand des Etosha Parks.
Wir waren eine eingespielte Gruppe und hatten die 6-7-8 Regel von Jochen voll verinnerlicht, alle waren also wieder früh auf den Beinen und rechtzeitig am Bus. Um 8 Uhr waren wir wieder auf der Pad, wie die Straße hier heißt.
Wir fuhren durch die heiße und trockene Kalahari. Die vertrockneten Bäume und Sträucher zogen an uns vorbei, aber Tiere waren nicht zu sehen, nicht einmal Impalas.
Nach etwa 2 Stunden Fahrt kamen wir zu einer Abzweigung und Sadrak lenkte den Bus direkt in den Busch hinein. Unter den Reifen knirschte der Sand und ein paar mal fühlte es sich an, als würden wir gleich steckenbleiben und müssten alle man raus aus dem Bus und anschieben. Aber alles ging glatt, Sadrak wußte genau, wie er hier fahren musste und nach ein paar hundert Metern hatten wir den Eingang des Natural Village der Ju/Huasin San erreicht.
Wir wurden schon erwartet von 3 jung aussehenden und einem älteren, ausgemergelten San. Sie alle trugen nur einen Lendenschurz, ansonsten war die ausgemergelte schwarze Haut nackt. Der älteste von ihnen war auch der größte. Er öffnete den Mund und zeigte uns mit seinem Lächeln, dass er schon viele Zähne verloren hatte. Und dann kamen diese Klicklaute aus seinem Mund, die so faszinierend klingeln und für uns Europäer sehr schwer nachzumachen sind. Einer der jungen San übersetzte und wir verstanden, dass wir willkommen geheißen wurden und man uns einlud, das Leben der San kennenzulernen.
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Der älteste San ging stolzen Schrittes voraus, um die Schulter trug er einen kleinen Bogen und einen Köcher, in dem wohl die Pfeile steckten. Wir folgten ihm durch den Sand zu einer Gruppe von Strohhütten unter einem großen Baum.
Hier hockte sich der alte Mann hin und wir positionierten uns in einem Halbkreis um ihn herum. Der San holte sein Messer hervor und nahm ein helles Stück Holz, in das er eine Kerbe einritze. Dann legte er etwas Stroh hinein, schüttete noch ein feines Pulver hinzu und nahm den zweiten Stab. Diesen zweiten Stab steckte er in die Kerbe und begann ihn zwischen den Handflächen zu rollen, wobei er einen lauten Schrei ausstieß, das fast wie eine Art Beschwörungsformel klang. Das probierte er eine ganze Weile, bis mit einem Mal Rauch aus dem Stroh emporstieg und er dann auch schon die Flamme hatte, die er zu einem vorbereiteten Haufen Stroh brachte.
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Nach dem Feuer folgten wir ihm in den Busch hinein und er zeigte uns, wie die San Vogelfallen bauten.
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Anschließend lernten wir ein paar Pflanzen kennen und wie diese von den San als Heilpflanzen für Muskelbeschwerden oder Durchfall benutzt wurden. Gerade den Durchfall wußte der alte Mann sehr anschaulich darzustellen.
Dann ging es wieder zurück ins Dorf und wir stellten uns wieder im Halbkreis auf, um dem alten Mann zuzuschauen, wie er uns seine Jagdwaffen erklärte. Diese bestanden aus einem Bogen, Pfeilen, die er aus dem Köcher holte, einem kleinen Beil und einem Messer. Außerdem gehörte noch ein Knüppel dazu, den man auch als Pfeife benutzen konnte.
Abschließend durfte ich dann noch den Bogen der San ausprobieren und auf eine Zielscheibe schießen.
Bevor wir wieder in den Bus stiegen und uns nach Grootfontein aufmachten, besuchten wir noch kurz den kleinen Souvenirladen der San. Souvenirladen ist vielleicht etwas übertrieben ausgedrückt, denn es handelte sich dabei lediglich um eine kleines Areal hinter Zäunen, und die Ware war auf Ästen und auf den Leinen zwischen den Ästen drapiert.
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Die Strecke nach Grootfontein war inzwischen relativ unspannend und wenig abwechslungsreich, außerdem machte uns die Wärme müde und träge. Einigen waren die Augen zugefallen und wir waren froh, dass wir um 14 Uhr den Ort Grootfontein erreichten und uns etwas die Beine vertreten konnten.
Grootfontein war eine etwas größere und modernere Stadt. Die Häuser, die wir beim hineinfahren sahen, gehörten zur vornehmeren Sorte.
Wir gingen direkt zum ATM vor dem Spar Markt und hoben unsere ersten namibischen Dollar für diese Reise ab, dann ging es in den Spar Markt und wir kauften Wasser und was zum knabbern.
Wir setzten die Fahrt fort und kamen gegen 15 Uhr 30 in Tsumeb im Kupferquelle Resort an. Schon als der Bus auf die Anlage fuhr sahen wir, wie groß dieses Areal war. Kaum waren wir ausgestiegen und gingen in Richtung Garten, sahen wir den olympischen Pool, den Jochen zwar angekündigt hatte, an den wir aber nicht geglaubt hatten. Leider wurde der Pool gerade renoviert und somit nicht zu erreichen.
Wir inspizierten die Zimmer, die auf einem kleinen Hügel oberhalb des Pools waren, packten schnell die Koffer weg und gingen dann wieder runter ins Restaurant, wo wir uns zu viert erstmal ein Cidre der Marke Hunters Gold gönnten, weil die Luft so trocken ist.
Ein wenig Ruhe tat uns gut und wir genossen das Hunters so sehr, dass noch ein zweites folgte. Anschließend gingen wir zu Fuss in die Stadt, um eine Telefonkarte zu kaufen. Es war aber eine kleine Odyssee, denn wir mussten bis zu einem Einkaufszentrum im Industriegebiet gehen und wurden dann von Geschäft zu Geschäft geschickt, bis wir schließlich die Karte hatten. Sie funktionierte in Dieters Handy und wir konnten dann wieder zurück ins Resort gehen.
Zurück im Resort gingen wir dann wieder ins Restaurant und tranken noch ein Hunters Gold, anschließend ging es aufs Zimmer duschen.
Das Abendessen war sehr lecker. Dieses Mal durften wir a la Carte essen und da Afrika ein Fleischland ist, gab es leckeres Filet. Leider entsprechen die Zubereitungsarten Rare, Medium, Well Done nicht den internationalen Standards und wir bekamen fast durch die Bank weg etwas zu stark gebratenes Fleisch. Aufgrund unserer Gruppengröße und der anderen Gäste im Restaurant war die Küche auch gut unter Dampf. Das Essen wurde nicht gleichzeitig serviert und Sibylle bekam ihres leider erst, als alle anderen schon etwas hatten.
Dann saßen wir noch ein wenig in netter Runde zusammen, bevor es dann den Hügel hinauf zu unserem Zimmer ging. Es hatte noch immer knapp 30 Grad Außentemperatur.

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