08.11.2015: Okavango Delta, Teil II

Wir verliessen die Maun Lodge um 7 Uhr 45 mit unserem orangefarbenen Bus in Richtung Okavango River Lodge. Dort wollten wir auf ein größeres Boot umsteigen, dass uns zur Einstiegsstelle der Mokoros bringen sollte, den Einbaumbooten der Einheimischen. Leider erfuhren wir an der Okavango River Lodge, dass der Okavango sehr niedrigen Wasserstand hatte und die Boote nicht überall durchkämen. Darum würden wir statt mit den Booten mit den bekannten offenen Jeeps zur Einstiegsstelle gebracht werden.
Die Fahrt zu dem kleinen Dorf am Okavango Delta dauerte knapp eine Stunde. Wir waren die Fahrt mittlerweile schon gewöhnt, es war bei Geschwindigkeiten über 40 km/h so windig, dass wir unsere Hüte und Cappies festhalten mussten, damit sie nicht wegwehten. Der Staub, der von der Piste ins Auto wehte, drang direkt in Nasen und Ohren. Eine unangenehme Nebenwirkung dieser heißen und trockenen Luft in Botswana ist das leichte Nasenbluten, was man immer wieder bekommt. Meerwasserspray hilft da zum Glück ein wenig.
Die Jeeps fuhren direkt bis an das Wasser heran. Die Mokoros lagen im Wasser. Wir hatten die Jeeps verlassen und standen im Schatten der Autos und warteten darauf, dass es weiter ging. Jochen übergab das Wort an Alex, den Anführer der Mokoro-Lenker. Es war kurz nach 9 und schon brütend heiß.
Alex hiess uns willkommen und stellte uns seine Leute vor. Einer nach dem anderen nannte uns seinen international klingenden Namen, denn den afrikanischen hätten wir nicht verstanden. Dann kam ein junger Mann auf uns zu und stellte sich uns als Oscar vor. Er sei unser Mokoro-Führer, sagte er uns und ging mit uns zu seinem Einbaum. Die anderen aus der Gruppe waren auch schon dabei einzusteigen. Das einsteigen war gar nicht so einfach, denn die Mokoros waren ganz flache Boote. Für uns waren kleine Plastiksitze bereitgestellt worden, auf die wir uns mit Hilfe von Oscar niederliessen.
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Kaum hatten wir eine angenehme Sitzposition erreicht, da griff Oscar nach dem langen Holzstab, der neben dem Mokoro im Wasser gelegen hatte, und stieß uns vom Anleger ab. Nach wenigen Minuten tauchten wir ein in die stille Schilflandschaft des Okavango Deltas.
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Die Staker blieben eng beieinander und bogen gemeinsam nach links ins Delta ab und wir glitten ruhig auf einen kleinen See, der unter anderem reich mit Seerosen bedeckt war.
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Oscar erklärte uns nicht nur die Pflanzen, sondern auch die Vögel, die wir während der Fahrt sahen. Unter anderem konnten wir einen kleinen Vogel beobachten, der auf dem Wasser zu gehen schien. Er wurde scherzhaft „Jesus Vogel“ genannt. Oscar war sehr aufmerksam und hielt an, wann immer wir etwas aus der Nähe sehen oder fotografieren wollten.
Es war ein erholsames Gefühl, hier mitten im weltberühmten Okavango Delta auf so urtümliche Weise unterwegs zu sein. Trotz der sengenden Sonne von oben, fühlten wir uns wohl und genossen die Fahrt.
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Langsam wurden die Kanäle enger und ein ums andere Mal mussten die Staker sich ihren Weg durch das Schilf regelrecht erkämpfen. Einige Male folgten wir im Mokoro den Pfaden der Hippos, die hier unterwegs gewesen waren und sich ihren Weg durch das Schilf gebahnt hatten. Das Schilf war so dicht, dass wir die Hände schützend vor’s Gesicht hielten, um nicht von den zurückspringenden Ästen verletzt zu werden.
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Nach einiger Zeit hielten wir an einer Insel. Oscar sagte uns, dass er Elefanten sehen könne, die unter einem Baum schliefen. Gut, Oscar stand ja auch auf dem Mokoro. Wir, die wir fast lagen, konnten nicht über den Rand des Schilf’s blicken und auch nur irgendetwas auf der Insel erkennen. Die anderen Mokoros hatten bereits an der Insel angelegt und alle waren ausgestiegen. Wir erwarteten, das Oscar sich irgendwie dazwischen mogeln würde, doch statt dessen stiess er seinen Stab ins Wasser und drückte uns wieder zurück in den Kanal. Er lies den Einbaum noch etwas weiter durchs Wasser gleiten, bevor er an anderer Stelle der Insel anhielt und uns aussteigen lies.
‚I wanted you to have a better view‘ erklärte er uns und wir folgtem ihm auf die Insel durch das heiße Gras. Oscar zeigte in die Richtung, wo die Elefanten sein sollten, und wir brauchten einen Augenblick, um die grauen Dickhäuter unter den Bäumen zu erkennen. Der Rest der Gruppe näherte sich den Elefanten von der anderen Seite, aber wir waren definitiv dichter dran.
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Es vergingen etwa 20 Minuten, bis wir bemerkten, dass die anderen wieder zu den Mokoros zurückgegangen waren und auch wir die Fahrt fortsetzen mussten. Wir dankten Oscar für diese Gelegenheit, die Elefanten so nahe gesehen zu haben.
Die Weiterfahrt dauerte nicht mehr lange, dann hatten wir die Insel erreicht, auf der wir unsere Wanderung im Okavango Delta machen wollten. Die Wanderung war nicht besonders interessant, sie führte über die Insel, durch niedriges Gras und an einigen kargen und manchen grünen Bäumen vorbei. Tiere sahen wir keine, nur diverese Arten von Tier-Puh. Nach etwa einer Stunde waren wir zurück am Rastplatz und machten Mittagspause. Lunchpakete wurden gereicht mit Sandwichen, Apfel, Ei und Chips. Dazu gab es so viel kühles Wasser, wie man wollte.
Nach dem Lunch stiegen wir wieder in die Mokoros und fuhren wieder zurück. Oscar und die anderen Einbaumlenker redeten sehr viel miteinander, sie lachten und scherzten und wir verstanden kein Wort. Aber sobald es etwas wichtiges zu sehen gab, wies uns Oscar sofort darauf hin.
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Gemächlich glitten wir mit der Strömung durch die Schilflandschaft und wünschten uns, die Stimmen um uns herum würden verstummen, um die Atmosphäre noch mehr genießen zu können. Schön war es aber trotzdem.
An einer breiten Stelle im Kanal hielte der vorderste Mokoro an und wir anderen stoppten auf.
‚A crocodil, over there. Can you see it?‘ fragte Oscar und wies mit dem Staker-Stab nach vorne auf die Oberfläche des Wassers, wo es etwas dunkler schimmerte.
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‚Yes‘ rief der erste und dann sahen wir es auch. Der Kopf eines Krokodils ragte aus dem Wasser heraus, doch nur durch das Objektiv der Kamera konnten wir es richtig gut erkennen. Oscar lenkte den Mokoro so, dass wir etwas näher heran kamen und gute Fotos machen konnten. Das war natürlich etwas schwierig, weil jeder den perfekten Blick wollte und sich immer mal wieder vorbeugte und somit direkt in das eigene Bild hineinragte. Aber ich glaube, das am Ende jeder ein paar gute Aufnahmen des Krokodils bekommen hatte.
Kurz darauf kamen wir an der Anlegestelle wieder an und stiegen aus den Booten.
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Wir bedankten uns bei Oscar für die Fahrt und seinen Einsatz beim beobachten der Elefanten. Dann suchten wir Schatten unter einem großen Baum und warteten auf die Jeeps, die uns zurück zur Okavango River Lodge bringen sollten. Um die Wartezeit zu verkürzen schlug Jochen vor, uns den Mokoro-Führern anzuschließen und einen Besuch im Dorf zu machen. Besser als hier herumzustehen und zu warten war das allemal, also folgten wir den Führern und gingen den durch den glühend heißen Sand ins Dorf hinauf. Wir wollten versuchten, ob es hier ein kühles Cider von Hunters Gold gab. Das Getränk hatten wir vor ein paar Tagen auf einer Lodge kennen und lieben gelernt. Und wir hatten Glück! Im ersten Shop, einer kleinen Lehmhütte, auf das man die Worte ‚Shop‘ aufgemalt hatte, gab es kein Hunters Gold. Aber ein paar Hütten weiter, in der Nähe einer großen Akazie, war ein weitere Shop. Vor diesem gab es auch einen kleinen Unterstand und somit etwas Schatten. Hier hatten wir Glück und bekamen 4 Dosen Hunters Gold. Wir öffneten sie begierig, setzen an und genossen den erfrischenden und süffigen Geschmack des Apfelweins.
Dann schauten wir den Dorfbewohnern noch ein bißchen dabei zu, wie sie mit dem Frisbee spielten, den sie von Jonathan geschenkt bekommen hatten. Bald war es aber auch Zeit für uns, wieder zu den anderen zu gehen. Wenige Minuten nachdem wir wieder unten am Fluss waren, kamen auch schon die beiden Jeeps. Wir stiegen auf und begaben uns wieder auf die ruckelige und sandige Piste zurück zur Okavango River Lodge.
In der Lodge hatten wir noch etwas Zeit, bis Sadrak mit dem Bus da war. Wir saßen im Schatten am Fluss und genossen die Ruhe. Nach etwas einer halben Stunde war Sadrak dann da und brachte uns zurück zur Maun Lodge. Hier verbrachten wir den Rest des Nachmittags damit, Berichte für den Blog zu schreiben und Fotos auszusuchen. Wir mussten die Lodges ausnutzen, an denen wir Internet Zugang hatten. Das war und wird auf dieser Reise nicht so oft der Fall sein.
Abends hatten wir wieder ein leckeres Büffett im Restaurant, dazu Hunters Gold, Bier oder Wein. Es fehlte uns an nichts.

1 Kommentar

  • Helga und Karl sagt:

    Hallo Ihr Lieben,
    Welch toller, erlebnisreicher Tag. Der Bericht ist Spitze und die Bilder
    vermitteln einen guten Eindruck. Dafür muß man auch einen Tag wie den
    nächsten (Fahrt nach Tsumkwe) hinnehmen. Es folgen sicher aufregendere
    Tage nach.
    Herzliche Grüße aus Klecken
    Mutti und Papa

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