06.11.2015: Moremi Wildreservat

Um 5 Uhr 30 klingelte unser Wecker in unseren komfortablen Zelten mitten im tiefsten Dickicht von Botswana. Um uns herum war Sand und grüne Sträucher, und noch mehr Sand und der Kwai Fluss, an dessen Ufer die Mogothlo Lodge errichtet worden war. An diesem Tag mussten wir so früh aufstehen, weil wir den kühlen Morgen für eine Pirschwanderung nutzen wollten.

Sibylle und ich hatten endlich einmal gut geschlafen, denn es war hier sehr viel kühler von den Temperaturen gewesen, als die Tage und Nächte zuvor. Wir hatten sogar die warmen Zusatzdecken benutzt, um wohlig warm schlafen zu können.

Es gab nur ein kleines Frühstück auf der Terasse, dieses bestand aus Tee, Kaffee und etwas Müsli. Wenn wir von der Wanderung um 10 Uhr zurückkehrten, sollte es einen leckeren Brunch mit afrikanischen Spezialitäten geben.

Nachdem wir uns ein wenig gestärkt hatten, ging es um kurz vor 7 zu Fuß los.
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Der Weg führte uns an unserem Zelt vorbei und noch bevor wir es erreicht hatten, war mein mitgebrachter Fleecepullover schon ausgezogen und an Rory übergeben, der diesen ebenso wie Dieters Jacke auf einem der Jeeps plazierte. Dann reihten wir uns wieder in die Reihe ein, die Robin aufgestellt hatte. Wie in der Schulzeit waren wir angehalten, schön der Größe nach einer hinter dem anderen zu gehen.
Nach ein paar Metern hielten wir an und Robin erklärte uns die Pflanze, vor der wir gerade standen. Es handelte sich um die Wildflower Rose, die in Botswana als Aphrodisiakum genutzt wird. Robin erklärte sehr lebendig und sehr plastisch, es machte ihm sichtlich Spaß, uns in die Geheimnisse der afrikanischen Pflanzenkunde einzuführen. Immer wieder betonte er, dass es wichtig sei, daran zu glauben, was die Pflanzen bewirken. Sein Volk glaubt noch immer an die Wirksamkeit der Wildflower Rose, der Schaf Flower, der Strong One Pflanze. Die Pflanze Schaf Flower, oder so ähnlich geschrieben, ist zum Beispiel sehr beliebt bei schwangeren Frauen, deren Niederkunft schon überfällig ist. Die Pflanze Strong One ist so tief im Boden verankert, dass selbst der stärkste Mann sie nicht komplett aus dem Boden ziehen kann.
Während wir auf der Pirschwanderung am Ufer des Kwai Flusses entlang gingen und auch immer Ausschau nach irgendwelchen wilden Tieren hielten, erklärte Robin unermüdlich.
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Ganz besonders viel Zeit widmete er der Beschreibung von Elefanten Puh, dem Verdauungsentprodukt eines Elefanten. Überall in der Nähe der Mogothlo Lodge sahen wir diese großen Haufen herumliegen, die die Elefanten hinterlassen hatten.
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Ein eindeutiger Beweis, dass sich Elefanten hier aufhielten bzw. auch hier durchgingen auf der Suche nach Wasser und Futter.
Anhand des Elefanten Dunk erklärte Robin uns das sehr langsame Verdauungssystem der Elefanten und wie ineffektiv es auf den ersten Blick erscheint. Doch bei genauerer Betrachtung ist die Verdauung eines Elefanten sehr clever und effektiv geregelt. Sie sorgt unter anderem dafür, das die Samen von Sträuchern und Bäumen, die über die Nahrung in den Verdauungstrakt des Elefanten gelangen und unverdaut wieder ausgeschieden werden, sich an ganz unterschiedlichen Orten wiederfinden. Dadurch wird einfach dafür gesorgt, das manche Pflanzen sich besonders weit ausbreiten können.
Der Dunk wird aber auch für andere Dinge genutzt, unter anderem um die Menstruationsbeschwerden von Frauen zu lindern. Sehr anschaulich erklärte Robin uns, wie das „Elephant Puh“ angezündet wurde und die Frau sich dann über den Rauch setzen musste. Dies sollte die Schmerzen lindern. Aber der Rauch des „Elephant Puh“ hilft auch gegen Kopfschmerzen. Man zündet den Puh an und atmet die Dämpfe ein.

Robin war wirklich sehr bewandert in der natürlichen Heilkunde seines Volkes und er hatte einen großen Spaß daran, uns möglichst viel zu zeigen. Besonders viel Spaß machte es ihm, uns die Kraft des Wilden Salbei zu zeigen. Hierfür nahm er sich Sibylle zur Seite und demonstrierte wie er vorgehen würde, wenn er sich in sie verliebt hätte. Er würde dann den Wilden Salbei pflücken und diesen in ihre Richtung blasen. Dabei würde er eine Art und dabei eine Beschwörung oder Wunsch aussprechen und durch die Kraft des Salbei würde sich dieser Wunsch dann erfüllen. Der Wilde Salbei war auch gut dafür geeignet, um Mücken abzuwehren.

Desweiteren zeigte Robin uns noch Pflanzen, die gegen Magenbeschwerden halfen, wir probierten auch von einem Zweig, der als eine Art Zahnputzpflanze diente. Eine andere Pflanze eignete sich gut gegen das Gift einer bestimmten Schlangenart.

Obwohl wir statt 2 Stunden fast 3 Stunden unterwegs waren, genossen wir jede Minute dieser Wanderung. Wir haben zwar keine Tiere gesehen, außer ein paar Impalas, aber dafür einen wunderbaren Einblick in die Naturheilkunde der Afrikaner bekommen.
Nach der Pirschwanderung ging es zurück zur Hütte, wo wir unseren Brunch einnehmen konnten. Wir hatten dann etwas Freizeit bis zu unserer Pirschfahrt am Nachmittag. Die Zeit nutzten wir, um uns etwas auszuruhen. Bei den Temperaturen von über 35 Grad im Schatten war das auch dringend nötig. Einige aus der Reisegruppe zogen sich nach der Pirschwanderung in ihr Zelt zurück, ein paar der anderen setzten sich ins Haupthaus und versuchten, von der Terrasse aus mit dem Fernglas Tiere auf der anderen Seite auszumachen. Doch die einzigen Tiere, die wir von der Lodge aus sahen, waren grasende Impalas, die für uns leider die Attraktivität von Hirschen hatten. Wir waren auf die großen und wilden Tiere aus, auf Elefanten und vor allem Löwen.
Am Nachmittag unternahmen wir dann mit Robin und Rory eine Pirschfahrt. Zunächst fuhren wir ein wenig in der Gegend der Mogothlo Lodge umher, bis dann unser Fahrer auf die Hauptstraße abbog und ein paar hundert Meter der Sandweg entlang fuhr. Plötzlich war die Straße vor uns durch dicke Äste versperrt, anscheinend war das ein Privatweg. Robin bog nach rechts in ein weitere kaum wahrnehmbare Straße ein und fuhr durch ein Feld von verbrannt aussehenden, etwa 1.50 m großen Baumstämmen. All unsere Blicke waren auf das Dickicht dazwischen fixiert, wir suchten den Löwen. Doch wir sahen keinen Löwen. Was wir nach ein paar Minuten sahen, war ein frischer Büffelkadaver, der noch nicht einmal von den Hyänen oder Geiern angeknabbert war.
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Anscheinend war die Beute ganz frisch, doch es war weit und breit kein Löwe zu sehen.
Wir fuhren an dem Kadaver vorbei und sahen einen alten Elefanten an einem Wasserloch stehen. Er war krank, denn er hatte einen kaputten Rüssel, der zwei Löcher hatte, durch den das Wasser aus dem Wasserloch an der Seite hinauslief, noch ehe der Rüssel das Maul komplett erreicht hatte.
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Die Jagd nach dem Löwen ging weiter, Robin schaute immer wieder aus dem Auto und folgte der Spur des Löwen, dich wir sahen keinen. Was wir sahen, waren viele Impalas, ein paar Hippos im Fluss, Elefanten und Giraffen.
Besonders schön wurde es, als wir im Schein der langsam untergehenden Sonne an den Kwai Fluss kamen und in der Ferne eine Herde von Elefanten sahen, die dort im Fluss tranken. Unsere beiden Fahrer aus den Jeeps fuhren so vorsichtig wie möglich voran und versuchten den besten Platz für uns zu bekommen. Aber die Elefanten sind vorsichtige Tiere. Sie fühlten sich bedroht und drehten uns immer wieder die Rückseiten zu. Doch wir hatten Geduld und außerdem waren im Fluss noch ein paar Hippos, die auch sehr interessant waren. Hier warteten wir darauf, dass die Hippos die Mäuler öffneten und uns ihr Gebiss präsentierten. Doch sie taten nichts dergleichen.
Nach vielen Fotos und Videoaufnahmen mußten wir uns von den Elefanten trennen.
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Wir folgten ihnen noch kurz, sahen dabei ein paar neugierige Giraffen ihre Hälse nach uns strecken,
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dann ging es in ein ziemlich dickes Dickicht, durch das wir auch ganz schön durchgeschüttelt wurden im Jeep. Wege konnten wir nicht erkennen, aber Robin und Rory wußten anscheinend ganz genau, wo sie hinwollten. Nach einiger Zeit der Fahrt über diese unwirtliche Strecke, in der wir leider keinen einzigen Löwen sahen, kamen wir zu einer großen Fläche am Fluss. In der Ferne grasten ein paar Elefanten, ein kleiner stand am Fluss und trank, und wir verließen die Fahrzeuge und genossen den Sundowner. Dabei wurden wir von den Elefanten beobachtet. Sie wußten nicht, ob wir eine Bedrohung darstellten.
Ein junger Bulle wollte es genau wissen und kam plötzlich auf uns zu, doch die beiden Guides und Dieter verscheuchten ihn unter lautem Gebrüll.
Wir genossen den Sonnenuntergang so nah bei den Elefanten und fuhren anschließend im Dunkeln wieder zurück zur Lodge, wo das Abendessen schon auf uns wartete.
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