3.11.2015: Von Victoria Falls nach Kasane

Wer geglaubt hatte, dass wir nach der anstrengenden Anreise Erholung bekämen und ausschlafen konnten, der hatte sich getäuscht. Um 7 Uhr ging es zum Frühstück, denn der Hubschrauberflug war für 8 Uhr geplant.
Pünktlich um 8 Uhr bestiegen wir unseren Tourbus und fuhren einmal um die Ecke. Nach ein paar hundert Metern hatten wir den Startplatz erreicht. Natürlich waren wir nicht die einzigen, eine Familie wartete bereits auf ihren Flug. Wir waren freudig erregt und es wurde noch etwas schlimmer, als ein paar schwarze Techniker zwei Hubschrauber aus dem Hangar zogen und auf die Startpositionen schoben.

Die Familie war bereits in der Luft und wir wurden zum wiegen abgeholt. Nach dem wiegen kam das briefing. Ein kleiner, energisch aussehender Mann, der offensichtlich der Chef zu sein schien, nahm uns zur Seite und plazierte uns vor einer Grafik der Victoria Fälle. Anhand der Grafik erklärte er uns in kurzen, einstudierten Worten, wie der Pilot mit uns fliegen würde. Sein Kollege ein paar Minuten zuvor war kommunikativer gewesen und hatte uns sehr nett befragt und uns die Zeit vertrieben. Wir hatten erfahren, das er ein Fan von dem Fußballverein Darmstadt 96 ist, weil er vor kurzem einen Gast aus Darmstadt hier hatte.
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Der Hubschrauber der ersten Gruppe landete wieder und wir wurden eilig herbeigerufen, um an Bord zu gehen. Ich durfte wegen der Filmerei vorne sitzen, Sibylle und Dieter saßen hinter mir am Fenster, Anke in der Mitte. Wir wurden angeschnallt und dann erhob sich der kleine Hubschrauber auch schon sanft in die Höhe. Ohne die Notwendigkeit von Kopfhörern näherten wir uns sanft und still Mosi-Oa-Tunya, auf deutsch donnernder Rauch, den Victoria Fällen. Der Pilot hatte eine gute Route gewählt, so dass wir uns den Fällen von der Längsseite näherten und dieses faszinierende Weltwunder sich buchstäblich vor unseren Augen entfalten sahen.
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In einer doppelten Schleife flogen wir über die Fälle hinweg, sahen unter uns das Wasser in die Tiefe fallen und die gewaltige Gischt aufspritzen, so dass im Schein der frühen Morgensonne Regenbogen entstanden, die aber nach wenigen Sekunden wieder verschwanden.
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Wir hatten einen einmaligen Blick auf die gesamten 1708 Meter Breite der Wasserfälle. Der Pilot folgte dem Lauf des Zambesi unter uns und wir sahen, wie ausgetrocknet das mäandernde Flussbett war. Obwohl keine 10000 Kubikmeter Wasser über den Rand in die 110 Meter Tiefe donnerten, waren die Fälle ungemein beeindruckend und wir genossen jede Minute dieses Fluges.
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Der Blick auf die unter uns dahinziehende Landschaft war so fantastisch, dass die 13 Minuten Flug viel zu schnell vorbei waren und wir nicht so richtig realisierten, dass wir bereits wieder am Ausgangspunkt waren und landeten. Ein beeindruckendes Erlebnis war viel zu schnell vorbei, aber wir waren sehr froh, dass wir den Flug wahrgenommen und sehr hatten.

Nachdem wir uns anschließend mit je zwei 5 Liter Kanistern Wasser und etwas zu knabbern für die nächsten Reisetage versorgt hatten, ging es auf den Weg ins 80 Kilometer entfernte Kasane. Wir brachen um 10 Uhr 30 auf und fuhren durch eine wirklich vertrocknete Gegend. Man sah überall, dass die Trockenzeit Simbabwe besonders hart getroffen hatte. Alles am Wegesrand war verdorrt, die Bäume waren kahlgefressen und ausgetrocknet, abgeknickte Zweige und ganze Baumstämme, die umgestoßen worden waren, säumten die Fahrbahn. Die Erde war rot, wie wir es eigentlich erst von Namibia erwarteten.

Im Bus hatte jeder einen Platz gefunden und Jochen begann, David Livingstons Geschichte zu erzählen. Wie er durch Afrika gereist ist und versucht hat, zu missionieren und dabei doch einer ganz anderen Profession folgte und ein Entdecker wurde.Die Straße zog sich schnurgerade dahin und bot kaum Abwechslung. Von unserem Fahrer wurde höchste Konzentration erwartet, doch er machte seine Sache gut.

Der Grenzübergang nach Botswana war dagegen nicht ganz so einfach. Das Grenzhäuschen wr nicht sehr auffällig, aber dafür nahmen die Beamten am Schalter auf der Seite von Simbabwe sich umso wichtiger. Sie verlangten eine Liste alle Teilnehmer unserer Reisegruppe und stempelten ziemlich willkürlich den ein oder anderen aus der Gruppe ab, andere wiederum nicht. Ein System war nicht zu erkennen. Aber nachdem Jochen kam und fragte, was denn los sei, ging es doch weiter. Die Einreise nach Botwana dagegen war unkompliziert. Als wir unseren Stempel hatten, ging es für uns alle erst einmal zur Maul- und Klauenseuche Desinfektion. Wir mussten jeder einzeln über eine in eine Flüssgkeit getränkte Matte gehen. Das Auto dagegen musste durch ein Bad aus dieser Desinfektionsflüssigkeit fahren.

Kurz nach 12 kamen wir in Kasane in der Chobe Safari Lodge an. Nachdem wir unsere Schlüssel für die Zimmer bekommen hatten, ging es erst einmal in die Stadt zu einem Geldautomaten, denn keiner von uns hatte botswanische Pula dabei. Anschließend kehrten wir zur Lodge am Chobe Fluss zurück und machten es uns auf der Terasse bequem. Wir streckten die Beine aus und genossen den Blick auf den Chobe Fluss. Bis zur nächsten Attraktion des Tages war es noch etwas hin, darum bestellten wir uns etwas zu Essen. Bei ca. 32 Grad und brennender Sonne genossen wir Afrika!
Um 14 Uhr 45 war es dann soweit. Wir hatten zwischenzeitlich die Zimmer beziehen können und uns auch etwas ausgeruht, denn nun begann die Fahrt auf dem Chobe Fluss. Bevor es richtig los ging, dauerte es aber noch ein paar Minuten. Mindestens 5 Boote hatten am Anleger festgemacht und füllten sich von Minute zu Minute. Wir hatten gehofft, in kleiner Gruppe unterwegs zu sein, doch weit gefehlt. Aber immerhin waren wir frühzeitig an Bord gewesen und hatten uns die besten Plätze in der ersten Reihe des Unterdecks gesichert.
Die Fahrt auf dem Chobe startete mit einer Registratur beim Parkservice, einer kleinen Wellblechhütte auf einem Schwimmponton in einer Bucht nahe der Lodge. Während sich die Agentur um die Registrierung kümmerte, sahen wir am Ufer eine ganze Horde Affen aus den Bäumen herabgesprungen kommen und am Ufer entlang laufen.

Endlich ging es los. Wir fuhren auf dem Chobe, die Sonne brannte heiß und wir waren froh, Cappies und Sonnenbrillen zu haben. So war es einfacher, sich auf die Suche nach den Tieren zu begeben. Kaum waren wir gestartet, sahen wir bereits ein großes Krokodil seinen Weg durch Wasser ziehen. Nur der Kopf schaute aus dem Wasser, diese beiden Augen, die einen bedrohlich anzusehen schienen. Und der gezackte Rücken und der Schwanz tauchten immer mal wieder aus dem Wasser auf. Der Kapitän versuchte näher an das Krokodil heranzufahren, doch es wich uns aus und tauchte irgendwann unter und war fort. Also setzten auch wir unseren Weg fort.
Plötzlich tauchten die Hippos auf und alle waren gespannt. Es waren nur die Rücken zu sehen und die Köpfe, wie bei den Krokodilen. Die Hippos standen eng beieinander, sie rangelten ein bißchen, aber keines kam heraus und öffnete sein Maul für uns. Doch wir hatten Geduld und unser Kapitän zum Glück auch. Nach uns endlos vorkommenden Minuten drehte sich ein Hippo von uns weg, öffnete sein Maul und drehte den offenen Mund dann in unsere Richtung. Von überall her hörte man wie die Kameras surrten und piepten und der Auslöser wieder und wieder betätigt wurde. Jeder wollte so ein Foto!
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Glücklich mit diesem Shoot ließen wir zu, dass der Kapitän weiter den Chobe entlang fuhr. Wir näherten uns der Insel im Chobe und sahen die vielen Büffel, die dort grasten. In der Ferne glaubten wir einen Elefanten zu erkennen, doch er war zu weit weg für eine Bestätigung. Aber der Kapitän steuerte das Boot sowieso in diese Richtung, also warteten wir und bekamen auf dem Weg dorthin noch mehr Hippos zu sehen und einige kleine Krokodile.
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Der Chobe machte eine Biegung und wir hatten das flache Ufer fast schon hinter uns gelassen, da kam von einem Gast der Ruf: Elephants!
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Sofort machte es „Tsch… Tsch…!“ und wir verstummten. Das Boot fuhr langsam wieder zurück und drehte, so dass wir in Lauerstellung gehen konnten. Sehnsüchtig nach dem kühlen Nass kamen die grauen Dickhäuter aus dem schützenden Dickicht und trotteten hinunter zum Fluss, wo sie sich genüsslich an dem Wasser labten. Sie begannen zu trinken und sich gegenseitig anzustupsen und wir klebten mit unseren Augen und den Kameras an diesen trotz ihrer Robustheit und Größe doch so eleganten Tieren. Nachdem der Durst gestillt war, zogen Sie einige Meter weiter zu einer sandigen Stelle und begannen mit der „Körperpflege“, in dem sie mit dem Rüssel Sand auf nahmen und mit einer geschickten Bewegung über den Rücken verteilten.
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Einige Minuten und etliche Fotos später mussten wir schon wieder weiter. Im weiteren Verlauf der Bootsfahrt konnten wir noch ein paar Blick auf ein paar Giraffen werfen, die aber schnell im Dickicht verschwanden. Auf der Insel im Fluss waren Kudus und Gnus am grasen, ebenso kleine Grüppchen von Impalas.

Zum Sonnenuntergang kehrten wir zur Lodge zurück und hielten kurz vorm anlegen noch mitten im Fluss und beobachteten den Sonnenuntergang.

2 Kommentare

  • helga und Karl sagt:

    Hallo,
    schön von Euch eine Nachricht? zu sehen. Ich habe gestern immer
    an Euren Rundflug gedacht. Eigentlich habe ich einen excellenten
    Bericht erwartet.
    Wir grüßen Euch
    Helga und Karl

  • Karl und Helga sagt:

    Hallo, Ihr Beiden
    zwei tolle Berichte, das besondere Gefühl, vor einem Naturwunder
    wie die Victoriafälle zu stehen, ist schon einmalig. Uns ging es bei
    anderen Wundern auch so. Die Bilder sind fantastich.
    Liebe Grü0e
    Helga und Karl

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