14.11.2010: Rätselhaftes Machu Picchu

Heute ist der für viele aufregenste und wichtigste Tag der Reise, es
geht endlich nach Machu Picchu! Da wir von Cusco aus noch ein ganzes Stück bis nach Machu Picchu haben, ist heute sehr frühes aufstehen angesagt. Da ich gestern Nacht noch Tagebuch geschrieben und Daten ins Blog übertragen habe, war die Nacht für mich besonders kurz. Offizieller Weckruf war auf 4 Uhr 30 festgelegt, aber da wir ja wieder einen Tagesrucksack für 2 Tage mit Wanderung packen müssen, war noch früheres aufstehen angesagt.

Unser Wecker klingelte um 4 Uhr! Gegen 5 Uhr saßen wir dann im Frühstücksraum. Kaum kamen Wolfgang, Ingrid, Patrick und Monique hinzu und wir bissen in unser Brötchen, als es plötzlich dunkel
wurde. Der Strom war ausgefallen! 10 Minuten mussten wir bei spärlicher Notbeleuchtung frühstücken. Dann sahen wir, wie Sonja um die Ecke kam und gerade in ihrer dicken Daunenjacke die Tür aufstieß, und plötzlich ging das Licht wieder an.

Um 6 Uhr verließen wir das Hotel und gingen unter strahlend blauem Himmel zu unserem Bus, der uns zur Bahnstation brachte. Die Bahnstation liegt nicht mehr zentral in Cusco, sondern etwas außerhalb. Doch die Fahrt mit dem Bus dauert nur ein paar Minuten.

Um 6 Uhr 52 fährt der Machu Picchu Express los. Das Interior ist sehr stilvoll, erwartet hatten wir Holzbänke und überfüllte Waggons, doch wir sitzen in bequemen 4-er Sitzen mit Tischen.

Machu Picchu Express

Machu Picchu Express

Zum Essen, von dem uns als einem kleinen Snack berichtet wurde, werden zwei Tischläufer auf dem Tisch ausgebreitet, jeden bekam ein kleines Trockenblumensträuschen und zu dem Gedeck wird eine aufgerollte Speisekarte gereicht. Vier leckere Kleinigkeiten gab es.

Die Fahrt zum Machu Picchu verläuft sehr abwechslungsreich. Zunächst fährt der Zug durch plan liegende Landschaften, wir sehen, was alles auf den Feldern angebaut wird. Mais, Quinea, Weizen, Roggen, Zwiebeln, und vieles mehr. Allmählich wird die Strecke steiler, es wird bergiger, aber das Wetter ist immer noch unglaublich schön. Der Himmel ist größtenteils blau, die paar Wolken sind Schönwetterwolken. Die Bahnstrecke verläuft zunächst erst einmal abwärts, von knapp 3800 Metern fahren wir auf 2400 Meter hinab, und dann geht es wieder etwas hinauf. Je näher wir dem Machu Picchu kommen, desto dichter werden die Nebelschwaden und auch die Wolken werden mehr. Doch es ist noch immer
schönes Wetter und es sieht nicht nach Regen aus. Aber wir merken vom Zug aus schon, dass das Klima hier teilweise richtig subtropisch ist.

Gegen 10 Uhr 30 sind wir in Aguas Calientes angekommen. Dann geht es zu Fuß zum Hotel Sumaq, hier klären wir ein paar organisatorische Dinge, dann besteigen wir einen Bus, der uns hinauf zur Anlage von Machu Picchu bringen soll. Der Weg hinauf führt über endlose Serpentinen und dauert etwa 20 bis 30 Minuten, je nach Verkehr und Witterungsverhältnissen.

Unten im Hotel war ich noch total abgeklärt und habe die Ankunft in diesem kleinen Bergdorf, welches komplett auf den Machu Picchu Tourismus abgestellt ist, recht cool empfunden. Doch jetzt, wo wir auf dem Weg zur weltbekannten Anlage sind, wird mir schon etwas mulmig. Ich spüre, dass es Sibylle genauso geht. Dies ist einfach ein magischer Moment, den jeder für sich selber erleben muß.

Während wir die Serpentinen immer höher hinauf fahren, sehen wir die geheimnisvollen Nebelschwaden um die Bergkuppen ziehen, sie bleiben daran hängen und halten sich glücklicherweise fern der Anlage. Der Bus bringt uns sicher nach oben und hält auf dem engen Parkstreifen. Während wir auf die Leute aus unserer Gruppe warten, die gerade zur Toilette sind, verteilen Pepe und Andrea die Eintrittskarten und Busfahrkarten, so dass nachher jeder individuell herunterfahren kann.

Um 11 Uhr 48 betreten wir die Anlage von Machu Picchu! Es ist ein tolles Gefühl, vor allem, weil die Anlage von Bergen umgeben ist und es hier normalerweise 300 Regentage im Jahr gibt, aber heute scheint die Sonne, so dass wir uns nochmal mit Sonnenschutz und Autan gegen die fiesen kleinen Mücken eincremen müssen. Aber das tun wir gerne.

Durch den Eingang hindurch geht es einen kleinen Weg auf Steinplatten entlang, dann folgen wir einen felsigen Treppe hinauf, vor uns und hinter uns ein paar Touristen, doch als wir dann oben auf dem Plateau sind und hinab blicken, können wir nur noch begeistert staunen! Es ist ein wahrhaft atemberaubender Anblick, niemals hatte man geglaubt, wirklich hier an diesem Ort zu sein. Sicher, es gibt einige Menschen, die interessieren sich nicht für diese Naturwunder, für diese von Menschenhand geschaffenen Naturphänomene, doch wenn man hier ist, dann kann sich kein Mensch dieser Magie entziehen, diesem Mystischen.

Natürlich greifen wir zunächst zu unseren Fotoapparaten und Video-Kameras und schießen Foto um Foto.

Machu Picchu

Machu Picchu

Andrea und Pepe lassen uns gewähren, sie kennen dieses Gefühl sehr gut, welches uns gerade beschleicht, aber irgendwann dann lockt sie uns auf die Terrasse hinauf, von wo man einen noch besserren Anblick auf die
Anlage hat. Während wir so hinunter auf die berühmte Anlage und den Berg im Hintergrund schauen erklärt uns Andrea, das Machu Picchu eigentlich in unserem Rücken liegt und ein sehr unbedeutender Berg ist, was wir da vor uns sehen und was alle Welt als Machu Picchu kennt, ist eigentlich der Berg Huayna Picchu.

tag 12 - 03Andrea und Pepe schaffen es, die Magie dieser Anlage einzufangen und uns unsere stillen Momente zu geben, sie hetzen uns nicht umher, sondern geben uns genügend Gelegenheit, alles anzuschauen und zu genießen. Zwei Stunden etwa haben wir mit ihnen zusammen auf einer Führung durch die Anlage mit vielen lebendigen Erklärungen und Zitaten, die uns diesen Ort näher bringen. Den Rest des Tages haben wir dann zur freien Verfügung.

tag 12 - 04

Andrea bringt uns immer wieder ins Bewußtsein, das eigentlich niemand so genau weiß, wofür Machu Picchu errichtet wurde und das es wahrscheinlich auch niemand je erfahren wird, aber das es absolut nicht schlimm ist, wenn man sich noch ein paar Geheimnisse bewahrt.

Sibylle und ich kosten jeden Minute aus. Es ist schön, dass das Wetter so mitspielt und es nicht regnet, und auch von den angedrohten Touristenströmen merkt man nichts. Wahrscheinlicht liegt das daran, dass die Regenzeit begonnen hat und die Menschen einfach wissen, dass diese Jahreszeit normalerweise ungünstig für Machu Picchu ist. Doch heute herrscht optimales Wetter und wir haben das Gefühl fast allein zu sein.tag 12 - 05

Als die anderen aus unserer Gruppe schon längst hinabgefahren sind, bleiben Sibylle und ich noch etwas und setzten uns auf einen Stein oberhalb der Terrassen. Wir genießen diesen ruhigen Moment und saugen die einmale Atmosphäre in ins auf. Kurz vor 17 Uhr, dem offiziellen Ende des Tages, gehen wir hinaus und holen uns noch Stempel von Machu Picchu ab, dann geht es zu den Bussen und fahren nach kurzer Wartezeit hinab.

Im Hotel Sumaq angekommen gehen wir auf unser Zimmer. Im Zimmer staunen wir nicht schlecht, denn uns weht der pure Luxus entgegen, alles sieht sehr edel und nobel aus.
Dieser Eindruck setzt sich fort, als wir in das Restaurant kommen. Dort sieht es ebenfalls sehr vornehm aus, eben wie man es von einem Sterne Hotel erwarten kann. Die Tische sind fein gedeckt, dezente Tischdecken vermitteln einen gehobenen Eindruck, Wir trauen uns gar nicht richtig, uns an die Tische zu setzen, aber Andrea ist auch schon da und organisiert wieder. Sie gibt uns zu verstehen, dass wir uns doch ruhig setzen können. Leider sind die Tische nur für 4 Personen ausgelegt, aber eine Bitte von uns und man stellt zwei Tische zusammen, so dass wir in unserer mittlerweile angestammten Sechsergruppe zusammensitzen können.

Bestellt hatten wir das Essen schon vorher, alle an unserem Tisch hatten sich einen Sumaq Salat bestellt, also den Salat des Hauses. Als die Kellner mit den Tellern kommen ahnen wir schon, was uns kulinarisch erwartet. Der Salat ist ein Gedicht, er schmeckt frisch und ein wenig exotisch. Die karamelisierten Tomaten sind wirklich etwas besonderes.

Als zweiten Gang hatten Sibylle und ich ein Alpaka Gericht bestellt, doch leider ist das vom Geschmack ganz anders, als wir es von der Colca Lodge in Erinnerung hatten. Das Fleisch ist zäh und geben es irgendwann auf. Als der Kellner zum abräumen kommt sieht er natürlich, dass Sibylle das Essen kaum angerührt hat. Wir fragen ihn, ob es verschiedene Arten der Alpaka Zubereitung gibt, die wir nur noch nicht kennen. Daraufhin erklärt er uns, dass es weißes und rotes Alpaka Fleisch gibt. Das weiße Fleisch ist sehr zart, solches hatten wir in der Colca Lodge, das rote Fleisch aber ist sehr fest. Leider bestand unser Gang hier im Sumaq aus dem roten Alpaka Fleisch.

Kurze Zeit später kommt Andrea an unseren Tisch. Der Kellner war sehr besorgt, weil wir das Essen nicht mochten, und läßt fragen, ob wir vielleicht ein anderes Gericht essen möchten. Da ich relativ satt bin, Sibylle aber so gut wie nichts gegessen hatte, bestellt sie sich dann schließlich doch noch einen zweiten leckeren Sumaq Salat.

Was soll ich sagen, der Nachtisch war genauso ein kulinarisches wie auch optisches Highlight, so dass wir wirklich satt wurden und den Abend einfach nur genossen haben. Es war der perfekte Abschluß für einen wundervollen Tag im mystischen Machu Picchu.

 

 

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