04.11.2010: Stadtrundfahrt in Lima

Die Gruppe trifft sich um kurz vor 12 in der Lobby zur gemeinsamen Stadtrundfahrt. Es haben sich zwei Gruppen gebildet, zum einen diejenigen, die bereits am Tag zuvor angekommen sind, weil sie mit einer anderen Fluggesellschaft geflogen sind. Und die Gruppe der Reisenden, die mit LAN Chile/Peru hierhergekommen sind. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich beide Grüppchen im Lauf der Reise miteinander verschmelzen werden.
Pünktlich brechen wir auf und besteigen zunächst den Reisebus, der sich uns als außerordentlich geräumig präsentiert. Unser Busfahrer heißt Orlando, er sieht recht jung aus. Wir haben auch einen lokalen Reiseführer, Gerda. Sie ist vom Alter schwer einzuschätzen, aber als sie uns begrüßt und erzählt, das sie seit fast 50 Jahren in Peru lebt, wird klar, das sie bestimmt über 60 Jahre alt ist.
Zunächst übernimmt sie das Mikrofon auf der Busfahrt durch die Stadt Lima, auf dem Weg zum historischen Zentrum. Dann übergibt sie nach kurzer Zeit das Mikrofon an Andrea, unsere Reiseleiterin. Als wir vor einigen Stunden das erste Mal Andrea begegnet sind, war ich schon etwas skeptisch, denn ihr Aussehen war etwas ungewohnt. Das hervorstechenste an ihr waren ihre schwarzen Haare, in denen rote Strähnen eingearbeitet waren, dazu die eher dunkel gehaltene Kleidung, schwarze Hose und schwarz weißer Pullover. Sie war wärmer gekleidet als wir mit unseren kurzen Sommerklamotten. Aber die Kleidung oder das Aussehen sind ja kein Indiz für den Charakter, und während Andrea uns erklärte, was uns die nächste Zeit erwarten würde und wie die Reise ablaufen wird, wurde uns schnell klar, das unsere Wahl für Studiosus richtig gewesen ist. Andrea erinnerte in ihrer Art sehr stark an Frau Schulte, mit der wir Indien bereist hatten.
Die Stadtrundfahrt wird sehr spannend, wie immer sind die Studiosus Reiseleiter umfassend informiert und können eine ganze Menge über Land und Leute erzählen. Wir erfahren von Andrea nicht nur Dinge aus der Geschichte der Peruaner, sondern auch immer etwas über das alltägliche Leben. Die Fahrt mit unserem Reisebus in die Stadt nutzt Andrea, um uns unter anderem etwas über das öffentliche Verkehrssystem zu erzählen. Es gibt in Lima viele private Buslinien, die auf unterschiedlichen Strecken durch die 9 Millionen Stadt fahren. Haltestellen gibt es nicht, man stellt sich einfach an den Straßenrand und winkte einen vorbeifahrenden Bus herbei. Nicht immer fahren die Busse dorthin, was an dem Bus angeschrieben steht. Einzig auf die Ansage des Busfahrers ist Verlaß.

Insgesamt ist das Verkehrssystem in Lima recht chaotisch. Es gilt das Recht des stärkeren und größeren Autos. Fußgänger haben keine Rechte, Ampeln gibt es zwar, aber meist wird sich nicht daran gehalten. Obwohl es also ein recht chaotisches Statdbild ist, wirkt diese Stadt, die um 1535 als eine kleine Ansammlung von ein paar Hütten gegründet wurde, warm und offen. Lima liegt am Fluß Rimaq, dies scheint nach gängier Meinung auch der Grund des Namens zu sein. Aber richtig überliefert ist das nicht.

Lima ist eine sehr große und vor allem gegensätzliche Stadt. Es ist eine Stadt der Kontraste, der Kontraste von arm und reich, von jung und alt, von neuer moderner Architektur und alter Inkabauweise. Andrea scheint eine sehr persönliche Bindung zu Peru zu haben, das merkt man an der Art, wie sie über das Land und die Menschen redet. Aber das zeichnet eben das Reisen mit Studiosus aus. Die Qualität der Reiseführer ist außerordentlich gut.
Andrea berichtet uns von den Lebensklassen in Peru, es gibt die 4 Schichten A,B,C und D, A ist die reichste Schicht, D die ärmste Bevölkerungsschicht. Inoffiziell ist sogar von einer Schicht E die Rede. Armut und Arbeitslosigkeit gibt es natürlich auch in Peru.

Lima, so erzählt uns Andrea, ist auch eine sehr melancholische Stadt. Oft liegt die Stadt im Garuja verborgen, im Nebel, und dies schlägt natürlich auf das Gemüt der Menschen. Umso fröhlicher und freundlicher werden die Menschen, wenn einmal die Sonne herauskommt. Wir haben das Glück, das die Sonne herauskommt als wir unterwegs sind. Am Plaza de Armor steigen wir aus dem Bus und bewundern die Kathedrale.

Wir erfahren viel über die Geschichte Pizarros, des Gründers von Lima. Die Kathedrale, die zwischen 1535 und 1625 erbaut wurde – nach 1746 teilweise restauriert – mit einem Glassarg, in dem der Gründer von Lima, Francisco Pizarro, liegen soll; die Kirche und das Kloster von San Francisco, die durch ihre Größe und Farbe als best erbauter architektonischer Komplex in Lateinamerika betrachtet wird.

In der Kathedrale hat uns Gerda geführt und berichtet vom Leben und Wirken Pizarros. Es waren sehr viele Episoden über sakrale Themen. Nach dem Besuch der Kathedrale und des Klosters San Francisco, welches wir zu Fuß erreichten, ging es mit dem Bus zurück ins Hotel. Dort gab es dann erst einmal etwas Gelegenheit, uns kurz frisch zu machen. Anschließend trafen wir alle im Restaurant aufeinander und nahmen den Begrüßungstrunk Pisco Sour zu uns. Wie wir das schon von der Indien Reise kannten, startete Andrea ein kleines Kennenlernspiel. Sie hatte 18 Karten mit 9 verschiedenen, typisch peruanischen Motiven erstellt, von denen jeder von uns eine Karte ziehen mußte. Dann bestand die Aufgabe darin, den Reiseteilnehmer zu finden, der die gleiche Karte gezogen hatte. Dieser mußte einem dann etwas über sich erzählen und in anschließender großer Rund sollten wir in zwei bis drei kurzen Sätzen unseren Kartenpartner beschreiben. Ich hatte das große Glück, Machu Picchu zu ziehen, denn dies ist der Hauptgrund, weswegen ich nach Peru gekommen bin. Ich hätte keine bessere Karte ziehen können. Monique, eine Luxemburgerin so um die 35 Jahre, ging es genauso. Jedes andere Motiv hätte nicht gepaßt, aber Machu Picchu verkörperte auch für sie all das, was Peru ausmacht und repräsentiert. So hatten sich gleich die richtigen gefunden. Sibylle ging es ähnlich. Ihr Kartenpartner war der Mann von Monique und die beiden hatten auch gleich eine große Gemeinsamkeit herausgefunden. Diese hatte zwar nichts mit Peru zu tun, aber beide fanden heraus, das Australien ihre große Leidenschaft ist.

In anschließender Vorstellungsrunde konnten wir einiges über unsere Reisebegleiter erfahren. Viele der anderen Teilnehmer sind Studiosus erfahren und ganz besonders Wander-erfahren. Die meisten haben schon mehrere Wanderstudienreisen gemacht und waren anscheinend total begeistert davon. Wir sind gespannt, ob es uns auch so gut gefällt.

Nach der Begrüßungsrunde ging es wieder für ein paar Minuten aufs Zimmer, bevor wir dann zum Abendessen ins Stadtviertel Larcomar gingen, direkt am Pazifik gelegen. Dort hatten Andrea und Gerda ein Restaurant ausgesucht, welches offensichtlich für große Reisegruppen ausgelegt war. Der Geräuschpegel war entsprechen hoch. Unterhalten konnte man sich nicht, aber dafür war das Essen sehr lecker, es gab nur typisch peruanische Gerichte. Wir genossen beim Essen dann auch eine Tanzvorführung, die auf einer Bühne direkt in der Mitte des Raumes stattfand. Danach ging es zurück
ins Hotel, wo wir todmüde in unsere Betten fielen. Die lange Anreise forderte langsam ihren Tribut!

 

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