03.11.2010: Von Hamburg nach Lima

Letzte Nacht waren wir bis gegen 2 Uhr auf, so genau haben wir das gar nicht mehr mitbekommen, denn wir waren so mit dem packen unserer Koffer und der Suche nach dem verschwundenen Fuji Ersatz-Akku beschäftigt, dass wir einfach die Zeit vergaßen. Aber das war eigentlich auch gar nicht so schlimm, denn so besteht die Hoffnung, dass wir für den Langstreckenflug müde genug sind und den strapaziösen 12 Stunden Flug nicht richtig mitbekommen. Um 7 Uhr klingelte unser Wecker heute morgen wieder, doch wir gönnten uns noch ein paar Minuten mehr Schlaf. Beim Frühstück nahm Sibylle sich dann die ToDO Liste für den Abreisetag vor und zwischen zwei Brotscheiben wurden die letzten Punkte zu Papier gebracht. Die letzten Aufgaben umfassten noch Dinge wie Taxi bestellen, Blumen gießen, Chilis abernten und einiges mehr. Einen Friseurbesuch konnte Sibylle auch noch dazwischen schieben, dazu war sie vor dem Urlaub nicht mehr gekommen. Obwohl nun noch so einiges zu tun war, konnten wir feststellen, das unsere Stimmung ungewöhnlich entspannt war. Den verschwunden Ersatz-Akku konnten wir nicht mehr finden, aber vielleicht ergibt sich ja auf einem der Flughäfen unterwegs eine Gelegenheit, einen Ersatz-Akku zu kaufen.

Um 12 Uhr 45 stand das bestellte Taxi vor der Tür, eigentlich sogar fünf Minuten früher als bestellt. Der Taxifahrer gehörte zur Gattung “Labertasche” und hatte diesen unbändigen Drang, ein Gespräch führen zu wollen. Uns kam das aber mehr wie ein neugieriges ausfragen vor, und entsprechend vorsichtig waren wir mit unseren Antworten. Aber immerhin brachte er uns pünktlich zum Flughafen.
Wir traten in die Halle und mußten uns erst einmal orientieren. Es galt, den richtigen Schalter für unseren Check-in zu finden. Das ist normalerweise kein so großes Problem, aber in unserem Fall dann doch, weil zwei verschiedene Fluggesellschaften zum Einsatz kommen und unser Gepäck bis Lima durchgecheckt werden muß. Ein aufmerksamer Mitarbeiter des Lufthansa Bodenpersonals wollte uns dann davon überzeugen, die Bordkarten am Check-In Automaten zu holen. Unsere Antwort, dass wir das bereits versucht hätten, hat er entweder ignoriert oder nicht gehört. Als dann sein Versuch erfolglos war, gab er uns kurzerhand ein großes Plastikschild und schickte uns zum Schalter. Dort ging es aber erst richtig los, denn die Servicekraft war, genauso wie wir die letzten Tage, etwas verwirrt wegen der Anzahl und der Menge der zulässigen Gepäckstücke. Niemand wußte so genau zu sagen, ob wir nun 23 kg insgesamt, pro Person oder pro Gepäckstück mitnehmen dürfen. Leichte Unruhe machte sich bei uns breit. Ein zweiter Servicemitarbeiter kam hinzu und versuchte uns zu beruhigen, während seine Kollegin zu einem anderen Schalter ging, um dort im Internet die benötigten Informationen zu beschaffen. Nach ein paar Minuten kam die Kollgin aber schon zurück und alles war gut! Mit unseren 3 Gepäckstücken und den 44 kg war alles in bester Ordnung. Wir kamen dem Rat ihres Kollgen nach und genehmigten uns erst einmal einen kleinen Sekt auf den Schrecken!
Um 14 Uhr 55 begann das Boarding. Es ging schnell voran, doch als wir ersteinmal saßen ging die nächsten 20 Minuten gar nichts mehr. Der Co-Pilot informiert uns, das am Frankfurter Flughafen ein hohes Verkehrsaufkommen ist und es deshalb zu Verspätungen kommt. Im Flugzeug ist es warm. Draußen ist es dafür ziemlich ungemütlich, schon im Stand haben wir das Gefühl, das die Maschiene etwas hin und her geschubst wird, nur ganz leicht, aber es deutet auf einen starken böigen Wind hin. Heute morgen sagten sie im Radio, das heute Windstärke 4 zu erwarten ist.
Der Start Richtung Frankfurt ist eine rumpelige Angelegenheit, die Maschiene wird ein wenig aus der Ideallinie gebracht und uns wird schon ein kleines bißchen mulmig in der Magengegend. Aber der Pilot schafft es dann doch, das Flugzeug in die Luft zu bringen und auf Kurs nach Frankfurt. Aber auch der weitere Flug verläuft unruhig, die Stewards, ungewöhnlichwerweise ist dies eine reine Männercrew, hat Probleme, die Getränke zu servieren ohne dass etwas verschüttet wird.
Mit rund 20 Minuten Verspätung landen wir in Frankfurt am Terminal 1 und müssen für den Anschlußflug zum Terminal 2, welches nur durch eine Art Tram zu erreichen ist. Die Fahrt dortin geht aber schnell und wir erreichen unseren Schalter von LAN Airlines ohne Probleme. Es ist verhältnismäßig leer in diesem Terminal, die Wartezeit in der Schlange von LAN beträgt nur ein paar Minuten. Wir checken ein und dieses Mal ohne weitere Probleme in Sachen Gepäck bis nach Lima. Es ist alles sehr entspannt.
Nun ist der Pflichtteil erledigt und wir machen uns auf die Suche nach einem Elektrogeschäft, um einen Ersatzakku für die Fuji Kamera zu kaufen. Doch das erweist sich als unmöglich. Also vertreiben wir uns die restliche Zeit mit einem Besuch bei Starbucks. Während ich genüßlich einen letzten europäischen Latte Macchiato trinke, telefoniert Sibylle mit ihrer Freundin. So vergeht die Zeit bis zum nächsten Boarding wie im Flug.
Der Flug nach Madrid verlief ohne Probleme. Auf dem Flughafen verbringen wir unsere Zeit mit umherlaufen, denn wir werden anschließend noch lange genug im Flieger sitzen. Immer mal wieder schauen wir auf die anderen Reisenden, die auch am Gate zu unserem Lima-Anschlussflug sitzen und lauschen ein wenig auf die Gespräche, aber wir können nicht erkennen, wer von den Reisenden auch noch mit Studiosus unterwegs sein wird.
Das Boarding für den Flug nach Südamerika verläuft nach Plan und schnell sitzen wir im Flieger auf unseren Plätzen. Der Start ist auch pünktlich, wenn man in diesem Fall Start mit dem Verlassen des Terminals gleichsetzt. Ansonsten kann man sagen, dass wir mit rund 15 Minuten Verspätung gestartet sind, denn so lange hat das Flugzeug von seinem Platz am Terminal bis zur Rollbahn gebraucht.
An Bord war es zunächst etwas unangenehm, denn die Klimaanlage war sehr kalt eingestellt. Es zog und pustete in unsere Gesichter, so das wir uns, wie auch einige andere Reisenden, etwas wärmendes überzogen. Unsere Plätze waren im hinteren Teil der Maschine, hier saßen auch ein paar Familen mit ihren Kindern. Eines davon mochte das fliegen wohl nicht so, denn es schrie eine ganze Zeit kontinuierlich durch. Irgendwann aber war es ruhig und wir konnten uns entspannt zurücklehnen, das Abendessen genießen, welches für ein Flugzeugessen außergewöhnlich gut war. Da wir die Nacht zuvor recht wenig Schlaf bekommen hatten, konnten wir die nächsten zehn Stunden nutzen, immer wieder einzuschlummern. Geweckt wurden wir, als langsam so etwas wie Unruhe im Flieger aufkam. Die anderen Reisenden waren bereits wach, es war ca. 4 Uhr am morgen Ortszeit Lima. Viele Monitore des Entertainment Programms waren schon wieder in Betrieb. Aber viel interessanter als die Filme auf den Monitoren war das Bild, welches sich zu unsere linken Seite draußen bot. Die Sonne ging gerade auf, der Horizont war in einen feuerroten Schimmer getaucht. So einen schönen Sonnenaufgang hatten wir nicht einmal in China gesehen.

Der Pilot meldete sich und gab bekannt, das wir voraussichtlich 45 Minuten früher in Lima landen würden, als es geplant war. Anscheinend hatten wir etwas Rückenwind. Dieser frühe Zeitplan paßte gut zu dem gesamten Eindruck, den wir von der bisherigen Reise bekommen haben, denn es war insgesamt sehr entspannt und bis auf den Start in Hamburg hat alles super gut geklappt.
In Lima angekommen ging dann auch alles recht schnell, am schlimmsten sind immer die Momente, wenn man gelandet ist und die Maschiene verlassen möchte, es aber nicht kann, weil die Wege zwischen den Sitzreihen noch belegt sind und sich nichts bewegt. Aber auch das geht vorbei und so konnten wir dann bald die Maschine verlassen. Die Einreise und der Zoll waren total unkompliziert, so schnell und locker sind wir bisher noch nirgendwo durchgekommen. Wir mußten kaum anstehen und waren schon dran, und uns fiel auf, dass die Menschen hier in Südamerika sehr offen und freundlich sind. Die spanische Sprache gefällt uns auch sehr gut, auch wenn wir sie nicht verstehen. Aber sie hat einen warmen Klang.
Nachdem wir den Zoll passiert haben, geht es hinaus in die Ankunftshalle, wo uns jemand von Studiosus erwartet, um uns zum Hotel zu bringen. Es handelt sich um eine junge Frau, die sich als Barbara vorstellt. Sie führt unsere Reisegruppe, bei der wir wohl wieder mal die jüngsten sein werden, zum kleinen Bus, der auf dem Parkplatz steht. Wir steigen ein und machen uns auf den Weg nach Lima. Denn hier sind wir nicht in Lima, wie wir kurz nach dem losfahren erfahren. Der Flughafen liegt in einer Stadt vor den Toren Limas. Auf dem Weg zum Hotel erfahren wir von Barbara ein wenig über die Geschichte Perus und Limas und das Lima eine Stadt ist, die man als Küstenwüstenstadt bezeichnet. Wir fahren durch einige Stadtteile und versuchen alles an Informationen aufzunehmen, doch das klappt noch nicht so gut. Aber es ist ja noch nicht einmal sieben Uhr morgens und wir sind gerade 24 Stunden unterwegs. Da darf man schon mal ein bißchen schwächeln.
Im Hotel angekommen treffen wir dann das erste Mal auf Frau Romsy, unsere Reiseleiterin. Sie erzählt uns etwas allgemeine Dinge der Reise, organisatorisches, und entläßt uns dann zum Frühstück im Hotel. Sibylle und ich gehen erst aufs Zimmer, dann machen wir uns frisch und gehen anschließend frühstücken. Dabei setzen wir uns zu Sonja aus Wien an den Tisch und kommen schnell ins Gespräch. Sie ist allein unterwegs. Wir unterhalten uns sehr nett, bei den anderen Reisenden wissen wir noch nicht so, woran wir sind. Gestärkt machen Sibylle und ich uns dann auf den Weg, etwas Geld in Landeswährung zu tauschen. Also gehen wir zur nächsten Wechselstube, deren Platz uns Frau Romsy beschrieben hatte. Dabei müssen wir zwei Straßen überqueren und uns daran erinnern, sehr aufzupassen, denn Fußgänger haben in Peru keine Rechte! Hier gelten nur die Autofahrer, denn die haben die stärkeren Fahrzeuge. Aber wir schaffen es ohne Probleme, die Autos uns nicht erwischen zu lassen und tauschen das Geld um. Dann geht es zurück ins Hotel und wir deponieren das Geld im Safe, anschließend gehen wir wieder los und besorgen noch etwas zu trinken für den Tag, denn gegen Mittag werden wir aufbrechen zu einer Stadtrundfahrt durch das alte Lima.

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